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Aus den Fans werden plötzlich Pokalgegner

Werder Bremen trifft im Pokal auf den Nachbarn Atlas Delmenhorst. Dessen Fünftligakicker stehen im Weserstadion sonst in der Kurve

  • Von Tobias Brinkmann, Delmenhorst
  • Lesedauer: 2 Min.

Atlas Delmenhorst nennt es schlicht das »Jahrhundertspiel«. Die Erstrundenpartie im DFB-Pokal am Sonnabend gegen den großen Nachbarn Werder Bremen ist für den Fünftligisten gleich in mehrfacher Hinsicht das große Los. Die Freizeitkicker aus Delmenhorst treffen nicht nur auf einen Fußball-Bundesligisten, sondern in Claudio Pizarro und Co. auch auf die Spieler, denen sie sonst als Fans im Bremer Weserstadion zujubeln.

»Sich auf andere Dinge zu konzentrieren, ist im Moment sehr schwer«, gibt der Delmenhorster Kapitän und Werder-Fan Nick Köster offen zu. Immerhin spielt er nicht oft vor mehr als 40 000 Fans. »Ich denke schon sehr oft an das Spiel«, sagt auch Verteidiger Leon Lingerski. »Ich muss mich da schon ermahnen, sonst kann ich gar nicht mehr schlafen.«

Vor sieben Jahren spielte Atlas noch in der Kreisklasse Oldenburg-Land. Nach einer Insolvenz und der Neugründung hatte der Verein ganz unten neu angefangen. In den 80- und 90ern war Atlas zuvor phasenweise sogar in der Drittklassigkeit unterwegs gewesen. Doch das Pokallos gegen die Bremer toppt nun alles Bisherige. Weniger als 15 Kilometer liegen zwischen der eigenen Heimarena und dem Weserstadion.

Werders Trainer Florian Kohfeldt hat eine besondere Beziehung zum Gegner. Der Bremer Coach wuchs in Delmenhorst auf, hütete einige Jahre aber beim Stadtrivalen TV Jahn Delmenhorst das Tor. Von »epischen Schlachten« oder »alten Rechnungen« gegen den Lokalrivalen könne der 36-Jährige leider nicht berichten, sagt er. Dafür stachelte er den Pokalgegner etwas an. »Jahn ist der schönste Verein in Delmenhorst«, betonte Kohfeldt schmunzelnd. »Das wird ein Riesenfußballfest, aber wir werden keine Geschenke verteilen.«

Das hat der Oberligist längst anderweitig bekommen - in Form einer Prämie für die Teilnahme am DFB-Pokal in Höhe von mehr als 120 000 Euro. Da der Deutsche Fußball-Bund den Delmenhorstern zudem genehmigte, das Match als Gastgeber im Stadion des Pokalgegners auszutragen, wird der Klub viel Geld einnehmen.

An einen Sieg und die damit verbundene Pokalsensation glaubt beim SV Atlas Delmenhorst niemand. »Wir träumen nur bis zum 10. August«, sagte Klubpräsident Manfred Engelbart. Und überhaupt: »Dass dieses Spiel stattfindet, ist schon größer als jeder Traum, den wir jemals hatten.« dpa/nd

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