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Balanceakt 30 Jahre Mauerfall

Kultursenator Lederer will das Jubiläum nicht nur als Ritual abfeiern

  • Von Tim Zülch
  • Lesedauer: 3 Min.

»Liebe wird aus Mut gemacht«, sang Nena 1984 in ihrem Lied »Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann«. »Aus Mut gemacht!« heißt auch der erste konkrete Aufruf der Kulturprojekte Berlin für die Feierlichkeiten zu 30 Jahren Mauerfall im November, den diese am Donnerstag vorstellten. Schülerinnen und Schüler sollen sich mit dem Thema beschäftigen, Kurzfilme produzieren und diese einreichen, damit sie an verschiedenen Orten während der Festivalwoche vom 4. bis zum 10. November präsentiert werden können.

Simone Leimbach von Kulturprojekte Berlin und unter anderem zuständig für die Organisation der Berlin Art Week, verspricht sich damit »aktuelle Zugänge zur friedlichen Revolution und dem Mauerfall«. Die Schülerinnen und Schüler könnten, so Leimbach, überlegen, »wofür lohnt es sich heute noch mutig zu sein? Was kann ich heute verändern?« Auch Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft könnten natürlich thematisiert werden, so die Projektleiterin.

Für Kultursenator Klaus Lederer (LINKE) ist die Organisation der Feierlichkeiten vor allem ein Balanceakt. »Vor fünf Jahren hatten wir die Lichtgrenze. So etwas Großartiges kann man nicht noch mal machen.« Außerdem seien die Debatten in den letzten Jahren »viel nachdenklicher und kritischer geworden«, erklärt er und lässt damit die Unzufriedenheit vieler Menschen anklingen, die sich nun rechten Parteien zuwenden. »Wir haben keinen Grund, nicht zu feiern, aber es muss mehr sein, als das Abfeiern eines Rituals«, so Lederer.

Auch Lederer sieht durchaus kritische Aspekte in der Entwicklung der Deutschen Einheit. Seiner Ansicht nach müsse die Erwartung thematisiert werden, »dass sich der Osten nur an den Westen anpassen sollte«. Es werde viel zu wenig gewürdigt, was der Osten in die Einheit einbringen könne. Lederer erinnert konkret an den Verfassungsentwurf des Runden Tischs 1990, der allerdings recht schnell »in der Schublade verwand«.

Ein solcher - auch in dieser Hinsicht kritischerer - Umgang mit deutscher Geschichte ist eine Herausforderung für die Organisator*innen von Kulturprojekte Berlin, aber auch eine Chance, gesellschaftliche Debatten aufzugreifen. Geplant ist keine einzelner große Veranstaltung, sondern die Verteilung auf sieben geschichtlich interessante Orte. Unter anderem die Gethsemanekriche, den Alexanderplatz, die East Side Gallery und die ehemalige Stasi-Zentrale in der Normannenstraße. Konkretere Details zum Ablauf und Programm der Veranstaltung sollen erst in einigen Tagen zusammen mit Michael Müller (SPD) der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Als weitere kulturelle Highlights dieses Herbsts sieht Moritz van Dülmen, Leiter der Kulturprojekte, die Lange Nacht der Museen am 31. August. Wichtig sei für ihn, dass sich, während sonst 60 bis 70 Prozent der Besucher*innen der Berliner Museen Tourist*innen seien, an diesem Tag vor allem Berliner*innen selber aufmachen, die Museenlandschaft zu erkunden.

Überhaupt sei es wichtig, die »Zutrittshürden zu den Museen« abzusenken, so Klaus Lederer. Dafür solle ein »kostenloser Sonntag pro Monat« eingeführt werden, der allerdings noch im Haushalt beschlossen werden müsse, so der Senator. Dadurch könnten »unterrepräsentierte Schichten« ermutigt werden, vermehrt Museen zu besuchen. Außerdem habe er sich für die Einrichtung von sogenannten »Curators of Outreach« stark gemacht. Das seien eine Art »Vermittlungsagenten«, die gezielt auf unterrepräsentierte Gruppen zugingen. Neun solcher Vermittlungsagenten gebe es bereits in Berliner Museen, so Lederer.

Als weitere Events nannte er und van Dülmen die Bauhauswoche Berlin, mit einem »Bauhaus zum Mitmachen«, und die Berliner Art Week, die zwar primär eine Veranstaltung des Kunstmarkts sei, die man aber durchaus für das breitere interessierte Publikum öffnen könne.

Die Kulturprojekte Berlin GmbH ist 2006 hervorgegangen aus dem Museumspädagogischen Dienst Berlin und der Berliner Kulturveranstaltungs GmbH und erhält für ihre Arbeit institutionelle Zuwendungen von jährlich 4,6 Millionen Euro.

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