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«Roddy» verschlang 83 000 Euro

Seit Januar läuft die Hatz auf einen Leitwolf in Niedersachsen - Häscher bislang erfolglos

Könnte Leitwolf «Roddy» lesen und hämisch lachen - er würde sich womöglich allmonatlich köstlich amüsieren, wenn wieder mal die Meldung in Blätterwald und Fernsehen auftaucht: Die Lizenz zum Töten von «GW717m», so die amtliche Kennung des Tieres, wird verlängert. Doch bislang ist der Graurock seinen Häschern stets entwischt. Sehr zur Freude von Wolfsschützern, die ihn «Roddy» nennen, abgeleitet von Rodewald, dem Namen der Gemeinde im Kreis Nienburg, wo sich der Vierbeiner gern herumtreibt als Leitwolf des «Rodewalder Rudels».

Doch sein Aktionskreis ist größer, umfasst rund 600 Quadratkilometer, weiß das niedersächsische Umweltministerium. Es sieht in dieser Ausdehnung einen wesentlichen Grund dafür, dass «Roddy» noch immer durch Wald und Feld streift. Für die schon rund sieben Monate laufende erfolglose Wolfshatz hat das Land mittlerweile 83 000 Euro aus der Steuerkasse genommen. Das besagt die Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion. Enthalten in diesem Betrag sind rund 48 000 Euro, die ein «Dienstleister» für seine Bemühungen in puncto Leitwolf haben will.

Welche Dienste genau leistet besagter Rechnungsschreiber? Dazu schweigt das Umweltministerium, so wie es stets schweigt zu Fragen wie: Wer jagt dem Wolf hinterher? Wer soll ihn schießen? Ein beamteter Jäger vielleicht? Ein Polizist? Das ist Geheimsache im Haus von Minister Olaf Lies (SPD). Offenbar wird befürchtet, dass Gegnerinnen und Gegner der Wolfstötung die damit beauftragen Leute oder Institutionen irgendwie belästigen.

Christian Meyer, naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion und ehemaliger Umweltminister, vermutet: Hinter dem «Dienstleister» steckt womöglich ein Hersteller großer Lebendfallen. Mit ihnen ließen sich Wölfe des Rodewalder Rudels fangen, «Roddy» könnte aufgrund eindeutiger Merkmale ermittelt - und dann getötet werden.

Meyer meint: Die bisher aufgelaufenen Kosten der Jagd auf den Leitwolf stehen in keinem Verhältnis zu den Ausgleichszahlungen an Tierhalter, die vermutlich durch «Roddys» Risse geschädigt wurden. Insgesamt rund 3000 Euro habe Niedersachsen an jene Landwirte gezahlt, berichtet der Grünen-Politiker.

Noch bis Ende August läuft die aktuelle Tötungslizenz. Sofern sich «Roddy» bis dahin weiter seines Wolfslebens freut, wird die entsprechende Ausnahmegenehmigung wahrscheinlich wieder mal verlängert und die Ausgaben für den «Fall GW717m steigen weiter, zumindest im Bereich der Personalkosten.

Auf den Abschuss verzichten will Minister Lies nicht. Er hält ihn für notwendig - vor allem angesichts der gerissenen Nutztiere. Laut Ministerium sind es rund 40, überwiegend Schafe, die wolfssicher eingezäunt gewesen sein sollen. Auch zwei Rinder, die durch den Aufenthalt in ihrer Herde als geschützt galten, gehen auf das Konto von »Roddy«, heißt es. Auch bestehe die Gefahr, so das Umweltressort, dass der Leitwolf sein Verhalten an andere Wölfe »weitergibt«, ihnen das Reißen von Schafen und anderen Nutztieren beibringt.

Sollte »Roddy« trotz aller Gewitztheit durch eine Kugel enden, wäre er der zweite in Niedersachsen mit amtlicher Erlaubnis erschossene Wolf. Seinem Artgenossen »Kurti«, der einen Hund attackiert und die Scheu vor Menschen verloren hatte, war das Schicksal im April 2016 widerfahren.

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