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Hack, hack, hurra

Im Oberhofer Biathlon-Stadion küren die »Holzsportler« ihre deutschen Meister

  • Von Sebastian Haak
  • Lesedauer: 5 Min.

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Auch im schwedischen Göteborg ist der Sport mit dem Holz beliebt.
Auch im schwedischen Göteborg ist der Sport mit dem Holz beliebt.

Die erste Holzscheibe hat den Boden noch nicht berührt, da frisst sich die Motorsäge von Robert Ebner von unten schon erneut in den dicken Baumstamm, um eine weitere Scheibe abzuschneiden. Die Kette hat sich nur minimal nach unten bewegt, in dem Moment, in dem die erste Scheibe abgetrennt worden ist, um dann sofort in eine Aufwärtsbewegung zu gehen. Wer schon einmal Holz mit einer Motorsäge geschnitten hat, der weiß, wie sehr diese Werkzeuge nach unten auswandern in dem Augenblick, in dem der Stamm durchtrennt ist. Weil der Sägenhalter die ganze Zeit von oben drückt, um zu schneiden, und dann meist vom Moment überrascht wird, da der Widerstand weg ist.

Für Ebner gibt es keine Überraschung. Es sind flüssige Bewegungen. Der 34-Jährige braucht weniger als 15 Sekunden, um die Motorsäge vom Boden hochzunehmen und mit zwei Schnitten die zwei Scheiben vom Holzblock zu trennen. Das, was Ebner im Biathlon-Stadion in Oberhof vorführt, ist Stock Saw - eine von sechs Disziplinen, in denen sich diejenigen messen, die am 31. August in die Stadt am Rennsteig zu den Deutschen Meisterschaften in den sogenannten Stihl Timbersports anreisen werden - eine Sportart, bei der sich alles um Holz und Holzfällen dreht.

Was in den USA, Kanada, Neuseeland und Australien Publikumsmagnet ist, ist in Deutschland eine Randsportart. Doch die Begeisterung, mit der Ebner ebenso wie Lars Seibert von diesem Hobby erzählt, lässt keinen Zweifel daran, dass die, die den Sport betreiben, es ernst damit meinen. Ebner ist sechsmal deutscher Meister in den Timbersports geworden, seit zwei Jahren ist er ungeschlagen - eine Serie, die Seibert gerne beenden würde.

Bei der Stock-Saw-Disziplin zum Beispiel, sagt Ebner, könnten die Wettkämpfer »alles gewinnen und alles verlieren«. Weil es immer darum geht, eine Aufgabe möglichst schnell zu lösen, ist die Zeit, die die Sportler zum Hacken oder Sägen brauchen, der entscheidende Faktor. Und in der Disziplin würde oft eine halbe Sekunde oder weniger den Unterschied machen. Ganz ähnlich, sagt Seibert, sei es beim Single Buck, seiner Paradedisziplin. Hier müssen die Sportler mit einer zwei Meter langen Ein-Mann-Zugsäge einen 46 Zentimeter dicken Stamm durchsägen und eine Scheibe davon abtrennen. Wer groß gewachsen sei - wie er - habe da einen leichten Vorteil. Wenn er pro Sägebewegung wegen seiner Größe zwei oder drei Sägezähne mehr durch das Holz bringen könne als kleinere Mitsportler, komme er schneller durch den Stamm und erziele eine bessere Zeit. »Aber trotzdem darf die Säge nicht verklemmen.« Schon ein einziges Verkanten der Säge könne zu einem großen zeitlichen Rückstand führen.

Die Botschaft von Ebner und Seibert: Das hat alles längst nicht nur mit Kraft und Größe, sondern auch ganz viel mit Technik zu tun. Und wie zum Beweis dieser These verklemmt sich die Säge von Seibert ein paar Minuten nach diesen Worten drei-, viermal, als er sie zu Demonstrationszwecken durch den Stamm führt; allerdings trotz allem noch immer in einem Tempo, von dem Gelegenheitssäger nicht einmal träumen können.

Ebner und Seibert haben zu dieser Sportart gefunden, weil sie schon lange mit Bäumen und Holz zu tun haben. Ebner, aus der Region um Bad Königshofen, ist Forstwirtschaftsmeister. Seibert, aus Mittelhessen stammend, betreibt einen Brennholzhandel. Sein Vater habe ein Forstunternehmen, sagt er. Nachdem er vor vielen Jahren Handball gespielt und dann eine Sportpause eingelegt hatte, »dann habe ich mir gedacht, du müsstest mal wieder ein bisschen Sport machen«. 2013 sei er zum Probetraining der Timbersports gegangen und habe 2014 einen Nachwuchswettbewerb gewonnen.

So wie sich der biografische Hintergrund beider Männer ähnelt, so ähnelt sich auch, wie sie die Faszination ihres Hobbys beschreiben. Das Vorurteil »Die schlagen doch nur auf Holz ein« kennen beide. Irgendwie hat es sogar in der Vergangenheit von Seibert eine Rolle gespielt. Als er das erste Mal auf einem Holzblock für die Underhand Chop genannte Disziplin gestanden habe, sagt er, sei auch er recht zuversichtlich gewesen, dass er es auf Anhieb recht ordentlich hinbekommen werde. Ungefähr zwei Minuten lang habe er auf das Holz eingehakt. »Dann habe ich mich schon gefragt, was ich hier eigentlich mache«, sagt er. Heute braucht er nur noch Sekunden, um einen 32 Zentimeter starken Holzblock zu zerteilen.

Grundsätzlich, erklären beide, fasziniere sie die Ursprünglichkeit der Arbeit mit Axt und Säge. Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Bäume mit großen Maschinen gefällt werden, begäben sich Holzfäller-Sportler zurück zu den Ursprüngen der Waldarbeit. Wenn man sich tiefer mit dem Sport und seinen Ursprüngen beschäftige, sagt Ebner, »dann ist das gar nicht mehr so ungewöhnlich«. Eine Aussage, die freilich dadurch relativiert wird, dass die Art und Weise, wie dieser Sport auf Meisterschaftsniveau inzwischen betrieben wird, sich von den Ursprüngen des Holzeinschlages inzwischen entfernt hat.

Denn die Äxte, die dabei genutzt werden, sind tatsächlich Sportgeräte und zum Brennholzmachen ziemlich ungeeignet. Sie sind fast so scharf geschliffen wie Rasierklingen, kosten etwa 500 bis 650 Euro pro Stück und würden übermäßig schnell stumpf werden, wenn sie auf hartes Holz - etwa das von Fichten - treffen würden. In den Wettkämpfen wird deshalb weiches Holz verwendet, vorwiegend von Pappeln. Etwa 20 Äxte hat Seibert zu Hause angesammelt. Bei Ebner sind es 26 mit unterschiedlichen Schliffen.

Weil es in Deutschland für die Timbersports nur einen Trainingsstützpunkt gibt - im bayerischen Mellrichstadt -, die Sportler aber bundesweit zu Hause sind, trainieren sie häufig zu Hause. Drei bis vier Stunden, manchmal auch länger, dauere eine Trainingseinheit, sagt Seibert. Viel Zeit, die auch deswegen gebraucht wird, weil die Holzblöcke jeweils in Metallvorrichtungen eingespannt und ausgespannt werden müssen.

Die Königsdisziplin der Timbersports zeigen in Oberhof weder Ebner noch Seibert: Springboard. Dabei müssen sich die Sportler an einem aufrecht stehenden Baumstamm zwei sogenannte Taschen schlagen, an denen Trittbretter befestigt werden, die es ihnen erlauben, den Baumstamm ganz oben durchzuhacken. »Von den Sportlern werden bei dieser Disziplin vor allem Agilität, Gleichgewicht, Mut und Nervenstärke gefordert«, steht in der Informationsmappe zu den Meisterschaften.

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