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Die erste Chance zum Durchbruch

Noch nie hatte Deutschland bei einer WM so viele gute Basketballer in einem Team beisammen

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Dennis Schröder (l.) will mit dem deutschen Nationalteam eine internationale Medaille gewinnen.
Dennis Schröder (l.) will mit dem deutschen Nationalteam eine internationale Medaille gewinnen.

»Wenn›s drauf ankommt, bin ich da.« Mit dem Satz hatte Basketballer Dennis Schröder vor ein paar Monaten seine neue Rolle in der NBA beschrieben. In Atlanta war er der wichtigste Mann auf dem Feld, nach seinem Wechsel zu Oklahoma City Thunder musste der Spielmacher aber hinter Superstar Russell Westbrook wieder auf der Ersatzbank Platz nehmen. Kein Problem, sei das, betonte Schröder immer wieder, denn in den entscheidenden Momenten am Ende eines Spiels stand er regelmäßig auf dem Parkett - eben dann, wenn‹s drauf ankommt.

Die NBA-Saison ist längst vorbei und der Sommer traditionell Zeit für die Nationalmannschaft. Bei der kam am Dienstag auch Schröder endlich an. Eigentlich sollte er schon knapp eine Woche früher aus den USA anreisen, doch die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes hatte sich noch ein paar Tage gedulden müssen, bis ihr Star dazustieß. Nicht näher erläuterte private Gründe wurden genannt, das erste WM-Vorbereitungsspiel gegen Schweden musste die Mannschaft ohne Schröder auskommen, doch jetzt ist er ja da. Wenn›s drauf ankommt.

In Hamburg bestreiten die deutschen Basketballer beim Supercup am Wochenende drei weitere Testpartien gegen Ungarn (Freitag) sowie die WM-Teilnehmer Tschechien (Sonnabend) und Polen (Sonntag), um sich für die Weltmeisterschaft in China (31.8. bis 15.9.) einzuspielen. Sicherlich hätte Henrik Rödl seinen Star gern schon in Trainingswoche eins ins Spielsystem integriert, doch Kritik gab es vom Bundestrainer keine zu hören. Zu wichtig ist Schröder für die Mannschaft, da wird schon mal ein kleiner Sonderstatus gewährt.

»Jeder Trainer darf sich glücklich schätzen, einen Dennis Schröder in seinen Reihen zu haben. Auf seiner Position gehört er zu den Besten der Welt«, sagte Rödl dem »Hamburger Abendblatt«. Schröder sei in der Nationalmannschaft zu einem Anführer herangewachsen, der die Nebenspieler besser mache. »Mit ihm können wir uns höhere Ziele stecken, vor allem in den nächsten Jahren.«

Die Zeiten, in denen wie in der Ära Dirk Nowitzkis alles von der Form eines einzigen Spielers abhing, sind aber längst vorbei. Noch nie hatte Deutschland so viele gute Basketballer beisammen, die sich zudem gut ergänzen. Schröder macht das Spiel schnell, und die großen Flügelspieler um Maxi Kleber und Daniel Theiß sind flink genug, um da mitzuhalten. Sollten Moritz Wagner und Isaac Bonga die letzten Streichungen im Kader überstehen, wären sogar fünf NBA-Akteure beim Auftakt am 1. September in Shenzhen mit dabei.

Mit Paul Zipser könnte am Ende sogar einer zum neuen Star des Teams aufsteigen, der zwar mal in der besten Liga der Welt gespielt hat, gerade aber zum FC Bayern München zurückgekehrt ist. Beim überzeugenden 78:46-Sieg gegen Schweden am vergangenen Sonntag war Zipser bereits bester deutscher Punktesammler. Mit Schröder auf dem Feld dürfte der 25-Jährige sogar noch mehr Freiräume bekommen.

Der Bundestrainer muss nun die besten Spielzüge finden, um all die Potenziale seines talentierten Teams ausspielen zu können. Daran wird seit einer guten Woche gearbeitet, und in Hamburg wird das System getestet. »Der Supercup ist mit drei Spielen in drei Tagen ein Schlüsselturnier unserer Vorbereitung. Am Sonntagabend wissen wir hoffentlich, was schon funktioniert und woran wir in den nächsten knapp zwei Wochen noch zu arbeiten haben«, sagte Rödl.

Die WM in China, bei der das deutsche Team in der Vorrunde auf Frankreich, die Dominikanische Republik und Jordanien treffen wird, könnte so etwas wie der Durchbruch einer außergewöhnlichen Generation sein. Schröder redet schon lange davon, mit dem Nationalteam mal eine Medaille gewinnen zu wollen. Platz sechs bei der EM 2017 war ein erster Hinweis darauf, dass es in die richtige Richtung geht. Und damals fehlten Kleber und Zipser noch. Das deutsche Team geht zudem im Gegensatz zu vielen anderen Teams in Bestbesetzung an den Start. Eine Medaille nach 17 Jahren Durststrecke und neun Jahre nach der letzten Teilnahme wäre schon gar keine Sensation mehr. Auch wenn dazu sehr viel richtig laufen muss. Noch nicht beim Supercup, aber dann bei der WM in China - eben wenn‹s drauf ankommt.

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