Werbung

Liebe, Freunde

Michael Girke / Jetzt!

  • Von Benjamin Moldenhauer
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Mitte der achtziger Jahre fanden in der tiefsten deutschen Provinz, in Bad Salzuflen (seit 2015 anerkannt als »allergikerfreundliche Kommune«), Musikerinnen und Musiker zusammen, die wenig später in Deutschland weltberühmt werden sollten: Frank Spilker (Die Sterne), Bernd Begemann (Die Antwort), Bernadette La Hengst (Die Braut haut ins Auge) und Jochen Distelmeyer (Blumfeld) veröffentlichten mit ihren damaligen Bands Kassetten auf dem »Fast Weltweit«-Label. Der Sänger und Gitarrist Michael Girke war offenbar so etwas wie ein Zentrum dieser Szene. Girke ging allerdings nicht nach Hamburg, sondern nach Berlin, und das auch nur kurz. Seine Musik geriet weitgehend in Vergessenheit. Von Michael Girkes Band Jetzt! erschien damals nur ein Tape, 1987, »Liebe in GROSSEN Städten«. Erst 2017 wurden die Stücke zum ersten Mal auf Vinyl und CD veröffentlicht.

Heute lebt Girke als Schriftsteller und Dozent in Herford und schreibt über Literatur und Filme, u.a. für »Freitag«, »Junge Welt« und »taz«. Mit einem neuen Album von Jetzt! hat eigentlich niemand mehr gerechnet, ein unverhofftes Glück. Der britisch geprägte Indie-Pop der 80er Jahre ist einer erzählerischen Folkmusik gewichen - viel Akustikgitarre, Tempo immer im mittleren Bereich, alle halten sich an den Instrumenten zurück und schaffen Platz für die Stimme und die Texte. »Das Einfache trifft’s«, singt Girke im letzten »Liebeslied« der Platte. Stimmt. Zwei Zeilen über das geglückte Zusammenleben zum Beispiel: »Wer Schuld hat, fragst du nie / Du fragst, woran es liegt«. Und anders geht es vielleicht ja auch nicht.

Das Adjektiv »lebensweise« klingt verzopft, aber für diese Songs trifft es zu. Girke gelingt in deutscher Sprache ein Heimatlied, das nicht verblödet oder reaktionär ist: Verschiedene Möglichkeiten werden durchgespielt, Liebe, Freunde. Und dann so eine Strophe als Heimat-Entwurf: »Es war einmal im Kino / ein Film von Straub/Huillet / Ich bin, wenn ich dran denke / immer noch bewegt / Ein Schimmer von ganz And’rem / war im Jetzt zu sehn / Ich hätte gern gewusst / wie man in die Leinwand geht«.

Filme, Musik und Literatur als Orte der Geborgenheit und des Hoffnungsvollen spielen immer wieder eine Rolle, auch im Zentrum der Platte, dem achtminütigen Song »Wie es war«, der eine Kindheit in Herford beschreibt, in den Achtzigern, als Platten noch ein Fluchtweg sein konnten für junge Menschen, die mit dem Gegebenen nicht klarkamen, während der Vater in die Fabrik musste, »die Leben gibt und aus dem Körper zieht«: »Die Ferienjobs, der karge Lohn / Wovon ich Platten und Bücher geholt / In die ich tauchte, endlos / Mehr als zu Hause hab’ ich gewohnt / In den Songs von Bob Dylan und Leonard Cohen«. Eine unspektakuläre Platte, und eine der schönsten dieses Sommers.

Jetzt!: »Wie es war« (Tapete/Indigo)

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!