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Vermögensobergrenze für Männer

Lou Zucker über den Multimillionär Jeffrey Epstein - und eine praktische Maßnahme, Missbrauchsfälle zu reduzieren

  • Von Lou Zucker
  • Lesedauer: 4 Min.

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US-Unternehmer Jeffrey Epstein nimmt an einer Gerichtsverhandlung teil.
US-Unternehmer Jeffrey Epstein nimmt an einer Gerichtsverhandlung teil.

Bis wir das Patriarchat abgeschafft haben, brauchen wir dringend strikte Einkommens- und Vermögensbegrenzungen für Männer - aus Sicherheitsgründen. Der Fall Jeffrey Epstein hat wieder einmal gezeigt, welchen Schaden zu viel Geld und Macht in den falschen Händen verursachen können. Genauer gesagt, in Händen von Leuten, die von klein auf in dem Glauben erzogen werden, ihnen gehöre die Welt - inklusive der Frauen darin.

Natürlich denken nicht alle Männer so. Noch ein wichtigerer Disclaimer: Natürlich denken auch Männer so, die keine millionenschweren Finanzberater sind. Aber wenn man praktisch etwas tun will, um sexualisierte Gewalt zu reduzieren, muss man irgendwo anfangen. In Zeiten, in denen wir andauernd von Männern lesen, die ihre Macht und ihren Reichtum dazu missbraucht haben, ungestört Frauen zu belästigen und zu vergewaltigen, drängt sich die These auf: weniger Macht und Reichtum für Männer gleich weniger sexualisierte Gewalt.

Der jüngste metoo-Fall ist der von Multimillionär Jeffrey Epstein: Der Finanzberater soll mehr als 80 minderjährige Mädchen sexuell missbraucht haben. Einige waren erst 14 Jahre alt. Zum Teil ließ er sie auf seine Privatinsel einfliegen oder lockte sie mit großen Summen Bargeld, heißt es in Medienberichten. Epstein wird vorgeworfen, einen Menschenhandelsring in New York und Florida aufgebaut zu haben. Eine der Zeuginnen, die inzwischen volljährige Virginia Giuffre, sagte aus, sie sei Epsteins »Sex-Sklavin« gewesen und zu Sex mit zahlreichen bekannten Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft gezwungen worden. Wie es für mächtige und reiche Männer üblich ist, war er bestens mit anderen mächtigen und reichen Männern vernetzt: Bill Clinton, Prinz Andrew, Donald Trump. Letzterer hatte einmal über Epstein gesagt, er sei ein »großartiger Typ«, von dem es heiße, »dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind jünger«.

Nachdem Epstein vergangenen Samstag tot in seiner Zelle aufgefunden worden war, konzentriert sich die Berichterstattung hauptsächlich auf die unterschiedlichen Verschwörungstheorien, die über seinen Tod kursieren. Die Frage, welche mächtigen Männer noch alles durch seinen Fall »zu Schaden kommen« könnten, scheint wieder einmal wichtiger zu sein als die Frage, welchen Schaden die Betroffenen erlitten haben, wie er kompensiert werden könnte und wie wir solche Fälle in Zukunft verhindern.

Letzteres ist eine sehr komplexe Frage und die Vermögen von Männern zu begrenzen ist eine sehr simple und verkürzte Antwort. Sexualisierte Gewalt passiert in einer Gesellschaft, in der sie nicht gesehen, nicht ernst genommen, in der sie geduldet, als »natürlich« hingenommen oder sogar propagiert wird. Sie geschieht da, wo Täter*innen kaum Konsequenzen zu befürchten haben und Schuld und Scham oftmals den Betroffenen aufgedrückt werden. Sie entsteht, wenn Männer von klein auf lernen, sie müssten immer stark und dominant sein, keine Gefühle zeigen - und sich diese angestauten Gefühle irgendwann Bahn brechen. Sie ist integraler Teil eines Systems, das Männern eine Machtposition einräumt und ihnen sexualisierte Gewalt als wirksames Mittel präsentiert, diese Machtposition zu verteidigen.

Dieses System heißt Patriarchat. Viele Feminist*innen - darunter auch Männer - arbeiten weltweit hart daran, es abzuschaffen und machen dabei immer mehr Fortschritte. Doch es wird wohl noch eine Weile dauern. In der Zwischenzeit sollten wir dringend etwas tun, um sexualisierte Übergriffe zu minimieren. Dafür zu sorgen, dass sich weniger Geld und Macht in Männerhänden ansammelt, wäre ein Anfang. Dort scheinen sie nämlich wirklich nicht gut aufgehoben zu sein, wie die lange Liste an Superreichen, Promis und Politikern zeigt, die seit 2017 des Missbrauchs beschuldigt werden. Sexuelle Übergriffe geschehen täglich auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Familie - auch als Auswirkung von Armut und Unterdrückung. Das muss genauso verhindert werden wie die prominenten metoo-Fälle. In ihnen zeichnet sich jedoch ein vermeidbares Muster ab: Die Vorstellung, als Mann ein natürliches Anrecht auf alle (vor allem weibliche) Körper um sich herum zu haben, trifft auf sehr komfortable Möglichkeiten, diese Vorstellung umzusetzen. Langfristig müssen wir unser gesellschaftliches Bild von Männlichkeit verändern. Eine Vermögensobergrenze wäre eine praktische Maßnahme für die Zwischenzeit.

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