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Der nächste Neuaufbau

Die Fußballerinnen spielen in der Bundesliga nicht nur um Punkte, auch um mehr Wahrnehmung und Förderung. Turbine Potsdam muss mit geringeren Ansprüchen starten

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Obwohl Matthias Rudolph kein allzu kräftiges Organ hat, ist er schon von weitem zu hören. Der Trainer von Turbine Potsdam und seine Spielerinnen stecken in den letzten Vorbereitungen zum Start der neuen Bundesligaspielzeit. »Ihr rennt hier alle blind rein«, schreit Rudolph über den Trainingsplatz im Sportpark Luftschiffhafen. Er ist unzufrieden mit dem Laufverhalten während einer komplexen Übung zum Offensivspiel.

An diesem Freitag treten die Potsdamer Fußballerinnen beim 1. FFC Frankfurt zum Eröffnungsspiel der Jubiläumssaison an: 30 Jahre Bundesliga der Frauen. Als wichtiger Meilenstein wurde die damalige Einführung dieser Spielklasse in den vergangenen Tagen zwar gefeiert. Aber große, ausgelassene Freude ist derzeit nirgends wirklich zu spüren. Auch bei Matthias Rudolph nicht. Schon wieder hat Turbine viele wichtige Spielerinnen verloren. Das lässt den 36-Jährigen nicht verzweifeln. Die Ansprüche aber müssen in Potsdam runtergeschraubt werden. »Wir müssen versuchen, mit den vielen jungen Spielerinnen in den kommenden zwei, drei Jahren wieder eine richtig gute Mannschaft aufzubauen.«

Für den Wechsel der deutschen Nationalspielerinnen Svenja Huth und Felicitas Rauch zum VfL Wolfsburg hat Rudolph durchaus Verständnis: »Da gibt es im Vergleich zu uns ein Vielfaches zu verdienen.« Diese beide Abgänge sind aber ebenso Teil des Problems wie der Wechsel der Schwedin Amanda Ilestedt zum FC Bayern oder die Entscheidungen von Lisa Schmitz und Lena Petermann, ins Ausland, zum Montpellier HSC, zu gehen. »Wir müssen die Bundesliga wieder attraktiver machen«, fordert Rudolph. Wenn das nicht gelingt, wie in den vergangenen Jahren, dann wandern die besten Spielerinnen weiterhin zu den Meisterteams der vergangenen sieben Spielzeiten - Wolfsburg oder München. Denn deren beste Spielerinnen wechseln wiederum in finanzkräftigere Ligen - nach England, Frankreich oder Spanien.

So vorhersehbar diese Entwicklung war, aufzuhalten war sie bislang nicht. Das Spiel zwischen Frankfurt und Potsdam, ein Aufeinandertreffen zweier ehemals erfolgreicher, mittlerweile aber abgehängter Klubs, wird mit 6000 Zuschauern wohl ausverkauft sein. Aber die Zahlen der Bundesliga sind seit sechs Jahren rückläufig. In der vergangenen Saison kamen durchschnittlich nur noch 833 Fans in die Stadien.

Insofern wirkt die Werbung vor dieser Saison fast schon verzweifelt. Als »Weltspitze« preist der Deutsche Fußball-Bund seine Liga. Matthias Rudolph sieht das zwar ähnlich: »In der Breite haben wir auf jeden Fall die beste Liga der Welt.« Aber was nützt das, wenn die anderen am Ende doch immer gewinnen. Rudolph verweist dabei auf das Dilemma hierzulande. »Man hat in diesem Sommer bei der WM mit den Millionen Zuschauern gesehen, welche Begeisterung die Fußballerinnen auslösen können«, sagt er. Umso größer ist seine Enttäuschung, dass im kommenden Sommer nichts zu sehen sein wird. »Das Auftreten des Nationalteams der Frauen ist für unsere Bundesliga sehr viel wichtiger als bei den Männern. Dass bei der WM die Olympiaqualifikation verpasst wurde, ist ein enormer Schaden.« Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg fordert wiederum professionellere Bedingungen in der Bundesliga.

Wie der Konflikt zu lösen ist, weiß Rudolph nicht. Eine Idee zur Stärkung der Bundesliga hat er aber. »Man könnte den Europacup erweitern. Wenn es beispielsweise drei oder vier Startplätze in der Champions League gäbe, wären Vereine wie Turbine oder der SC Freiburg sehr viel interessanter für regionale und überregionale Sponsoren. Automatisch fließt mehr Geld in die Vereine und die Liga.«

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