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Schuss ins eigene Knie

Das rechte Greta-Bashing wird den Widerstand unter jungen Leuten gegen die AfD anwachsen lassen, meint Christian Klemm

  • Von Christian Klemm
  • Lesedauer: 2 Min.

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AfD-Spitzenmann Andreas Kalbit bei der Veranstaltung «Jugend debattiert mit Spitzenkandidaten» zur Landtagswahl in Brandenburg
AfD-Spitzenmann Andreas Kalbit bei der Veranstaltung «Jugend debattiert mit Spitzenkandidaten» zur Landtagswahl in Brandenburg

Die Bourgeoisie produziert ihre eigenen Totengräber. Das schreiben Karl Marx und Friedrich Engels im »Manifest der Kommunistischen Partei«, einem wegweisenden Dokument der deutschen Arbeiterbewegung. Bisher ist die Theorie nicht Wirklichkeit geworden. Im Gegenteil: Der Widerstand gegen die Herrschaft der bürgerlichen Klasse ist - zumindest in Deutschland - gering. Die kommunistischen Parteien sind im Niedergang.

Der Widerstand gegen die AfD dagegen ist um einiges größer. In vielen Orten, an denen die Parteigranden auftreten - ob auf Parteitagen, bei Wahlkampfauftritten oder bei Veranstaltungen befreundeter Vereine und Organisationen -, sind AfD-Gegner anzutreffen. Und wenn die Rechtspartei so weitermacht wie am Montag im Potsdamer Landtag, dann wird der Widerstand weiter Zulauf haben - vor allem durch junge Menschen.

Was war passiert? In einer Diskussionsrunde sollten Jungwähler den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 1. September in Brandenburg »auf den Zahn fühlen«. Auf die Frage eines Jugendlichen, was er von Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke halte, der nach Ansicht des Schülers »ziemlich offen ein Nazi« sei, hat der Brandenburger AfD-Vorsitzende Andreas Kalbitz geantwortet: »Tut mir leid, dass Sie da so verblendet sind durch die Dauerrotlichtbestrahlung, die Sie medial an der Schule bekommen.« Außerdem hat Kalbitz bei der Veranstaltung die Klimaaktivistin Greta Thunberg als »zopfgesichtiges Mondgesicht-Mädchen« verunglimpft.

Gerade letztere Aussage reiht sich ein in ein maschinengewehrartiges Dauerfeuer, das von rechts auf die prominente Schwedin einprasselt: Fast jeder Journalist oder Politiker, der unter (extrem) Rechten Rang und Namen hat, ist schon mindestens einmal mit einer Tirade gegen Thunberg aufgefallen. So viel Hass auf eine 16-Jährige hat man selten erlebt.

Doch das Gekeife bleibt nicht ohne Folgen. So wie die Grausamkeiten des Kapitalismus die Arbeiterbewegung vor mehr als 100 Jahren haben groß werden lassen, so werden sich wahrscheinlich jetzt mehr Jugendliche Kalbitz, Höcke und Co. in den Weg stellen. Sie wissen genau: Die AfD will nicht nur einen politischen Rollback in Deutschland durchsetzen, sondern die Welt klimatechnisch vor die Wand fahren. Für die AfD ist die Klimakrise nämlich nicht real, sondern eine Einbildung des grün-versifften Mainstreams.

Deswegen möchte man die Funktionäre der Rechtspartei beinahe ermutigen, mit dem Greta-Bashing weiter zu machen. Mehr AfD-Totengräber gäbe es dann vermutlich nicht, mehr junge Menschen auf Demonstrationen gegen die Partei jedoch schon.

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