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Mehrere Tote und Tausende auf der Flucht

Noch vor einem Jahr hoffte Myanmar auf Frieden, nun mehren sich Gefechte zwischen Armee und Rebellengruppen

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Bei den Armee-Spielen in Moskau dieser Tage war auch eine Gruppe des Tatmadaw, des Militärs von Myanmar, zu erleben. In eher ungewöhnlicher Mission, nämlich musizierend. Soldaten mit Instrumenten, wohlkomponierte Töne liefernd. Was für ein Kontrast zu anderen Uniformierten in der Heimat, die gerade wieder ihre Waffen sprechen lassen. Denn Armee und verschiedene Rebellengruppen - insbesondere die in der Nordallianz zusammengeschlossenen - liefern sich in jüngster Zeit vermehrt Gefechte.

Schien es 2017 und bis 2018 hinein noch hoffnungsvoll, als nehme der nationale Friedensprozess bei allen Schwierigkeiten an Fahrt auf, häufen sich schon seit dem Jahreswechsel und abermals verstärkt seit den letzten paar Monaten schlechte Nachrichten. Die Zusammenstöße im Norden des Landes seit Anfang des Monats haben mindestens 15 Angehörige der Sicherheitskräfte und zwei Zivilisten das Leben gekostet - sowie einmal mehr Tausende Menschen zu Binnenflüchtlingen gemacht.

Am 8. August griffen gemeinsame Verbände der Ta’ang National Liberation Army (TNLA) und der Myanmar National Democratic Alliance Army (MNDAA) das militärische Hauptquartier der 290. Infanteriedivision im nördlichen Shan-Staat an. Geschossen wurde für etwa eine Stunde, zitierte das Nachrichtenportal »The Irrawaddy« Augenzeugen. Und nach einer Mitteilung der TNLA habe es sich bei dem Angriff um einen von insgesamt zehn Zusammenstößen zwischen den Rebellen und der Armee im Zeitraum zwischen dem 3. und dem 9. August gehandelt. Bereits im Juli soll es 20 Gefechte gegeben haben.

Von noch anderem Kaliber war dann wenige Tage später am 15. August der Überfall auf eine Militärakademie in der Garnisonstadt Pyin Oo Lwin, die in der Region Mandalay liegt. Erstmals seit Jahrzehnten wurde die Institution zu einem Zielobjekt. Und abermals war es eine koordinierte Attacke mehrerer Verbände.

Neben der Militärakademie gerieten auch noch drei weitere Einrichtungen unter Beschuss. Beteiligt gewesen waren der Erklärung eines TNLA-Sprechers zufolge neben Einheiten dieser und der MNDAA auch Kräfte der Arakan Army. Die komplettiert neben der Kachin Independence Army das Quartett der Rebellengruppen, die die Nordallianz bilden.

Diese stimmt sich offenbar nicht nur generell ab, sondern agiert zunehmend auch militärisch gemeinsam, ihre Kräfte bündelnd. Während bereits im Frühjahr zahlreiche Konfrontationen zwischen der vor allem dort verankerten Arakan Army und dem Tatmadaw im nordwestlichen Rakhine-Staat gemeldet wurden und bei einzelnen Vorfällen sogar die Tempelruinen der zum Unesco-Welterbe gehörenden alten Königstadt Mrauk U unter Beschuss gerieten, haben sich die jüngsten Spannungen vor allem in den Shan-Staat verlagert. In der Provinzstadt Lashio und anderen größeren Orten haben laut jüngsten Meldungen um die 3000 Binnenflüchtlinge unter anderem in buddhistischen Klöstern Schutz gefunden.

Besorgt zeigt sich sogar der große Nachbar China, der einerseits traditionelle Schutzmacht der Armee ist (zu Zeiten der jahrzehntelangen Militärdiktatur bisweilen der einzige echte Verbündete), parallel aber auch gute Beziehungen zu diversen Rebellengruppen unterhält. Geng Shuang, Sprecher des Außenministeriums in Beijing, rief am Montag zur Einstellung der Feindseligkeiten auf und appellierte, die von der Armee in weiten Teilen des Shan State im Dezember zunächst für vier Monate einseitig verkündete und dann immer wieder verlängerte Waffenruhe einzuhalten.

Die Nordallianz wirft dem Militär vor, diese selbst wiederholt gebrochen zu haben. Alle vier Mitglieder des Rebellenbündnisses gehören zu jenen Gruppierungen, die das nationale Waffenstillstandsabkommen als Grundlage für einen umfassenden Friedensprozess im Land bisher nicht unterzeichnet haben. Die Karen National Union wiederum, eine der ältesten und größten ethnischen Armeen, hatte sich vor einigen Monaten aus der Koordinierungsgruppe verabschiedet, später zog sich auch der Restauration Council of Shan State zurück - was das Gremium, das die Waffenruhe in der Praxis effektiv überwachen soll, massiv schwächte.

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