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Neue Machtspiele

Christian Seifert bekommt bei der DFL noch mehr Einfluss, Fritz Keller soll DFB-Präsident werden

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

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DFL-Boss Christian Seifert (l.) und Fritz Keller als künftiger DFB-Präsident bilden das neue Machtzentrum im deutschen Fußball.
DFL-Boss Christian Seifert (l.) und Fritz Keller als künftiger DFB-Präsident bilden das neue Machtzentrum im deutschen Fußball.

Als Karl-Heinz Rummenigge am Mittwochvormittag in der Stauffenbergstraße ankam, war Andreas Rettig schon längst da. Der kaufmännische Geschäftsleiter des FC St. Pauli hing am Handy, als ihn der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern begrüßte. »Der Strippenzieher schon wieder am Telefon«, rief Rummenigge noch aus einigen Metern Entfernung. Ein freundlicher Handschlag folgte.

Neben Vertretern des Rekordmeisters aus München und des Hamburger Zweitligisten waren die 34 weiteren Klubs der 1. und 2. Bundesliga in einem Hotel in Berlin-Mitte zur Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) zusammengekommen. Wahlen, Entlastungen, Ehrungen und einige Beschlüsse standen auf der Tagesordnung. Der Handschlag zwischen Rummenigge und Rettig stand ebenso sinnbildlich für die Atmosphäre an diesem Tag, wie die vielen, meist einstimmig getroffenen Entscheidungen: Der Öffentlichkeit präsentierte sich die DFL als eine offene und transparente sowie einträchtige Gemeinschaft.

Dass dies nicht wirklich der Fall ist, machte der Geschäftsführer der DFL, Christian Seifert, schnell deutlich. Als Fritz Keller zu den Klubvertretern sprach, mussten die Medienvertreter den Saal verlassen. Der Kandidat für den Posten des DFB-Präsidenten sollte seine Ideen schließlich erst mal im Kreise der Klubs vorstellen, die darüber dann in Ruhe diskutieren müssten. Nun, die Diskussion fiel kurz aus. Nur wenig später wurde verkündet, dass sich die DFL einstimmig für den 62-Jährigen ausgesprochen hat. Da zuvor auch schon die Konferenz der Regional- und Landesverbandspräsidenten, die ebenfalls am Mittwoch in Berlin stattfand, Keller mit 37 von 38 Stimmen empfohlen hatte, ist der Präsident des SC Freiburg nun offiziell nominiert. Als bislang einziger Kandidat soll er Ende September auf dem DFB-Bundestag zum Präsidenten gewählt werden.

Fritz Keller, hieß es allseits, sei die perfekte Lösung. Vor allem, weil er für einen Interessenausgleich zwischen Amateuren und Profis stehe. »Meine heilige Kuh sind die Vereine«, sagte er selbst. Nach dieser Personalentscheidung stehen Professionalisierung und Strukturreformen beim Deutschen Fußball-Bund an. Die brauchen aber Zeit. Vor seiner Wahl und einer eigenen Situationsanalyse wollte Keller noch nicht viel dazu sagen.

Viel mehr dazu sagte die DFL, die sich zusammen mit dem DFB in einer gemeinsamen Findungskommission schon vorher auf Keller geeinigt hatte. Offen kritisierte Christian Seifert die letzten Präsidenten des weltweit größten Sportfachverbandes: »Die Richtlinienkompetenz war ein anderes Wort für Alleinherrschaft, die in den vergangenen Jahren von einigen Präsidenten auch so ausgeübt wurde.« Die Eigendarstellung des Ligaverbandes hingegen kam am Mittwoch wie ein Erfolgsmärchen daher: weiter wachsende Zahlen bei Umsätzen der Klubs oder der Medienpräsenz des Profifußballs. In emotionalen Imagefilmen wurde die Attraktivität des Sports präsentiert. Dass die in vielen Bildern aus stimmungsvollen Stadien gezeigten Fans an diesem Tag entweder nur als Zielgruppe oder zahlende Kundschaft thematisiert wurden, störte kaum jemanden.

Den Höhepunkt erreichte das fröhliche Miteinander, als Reinhard Rauball verabschiedet wurde. Die stehenden Ovationen erinnerten ebenso an Parteitage, wie manch Wort des scheidenden DFL-Chefs. »Die Einheit des Fußballs stand niemals zur Diskussion«, rief er in den Saal. Und das Fußball ein Volkssport bleibe, da sei er sich sicher. Erst als Rauball sich auf dem Podium wieder in seinen Stuhl fallen ließ, endete der minutenlange Applaus. Die Aussprache über den Präsidiumsbericht, Punkt fünf auf der Tagesordnung, konnte man getrost ausfallen lassen.

Etwas Abschiedsschmerz ist aber durchaus angebracht, wenn Rauball jetzt nach zwölf Jahren die Spitze des Ligaverbandes räumt. Denn die DFL hat eine Strukturreform, die der DFB erst noch bewältigen muss, schon hinter sich. Einen Präsidenten wird der Ligaverband nicht mehr haben. Stattdessen steht ein Sprecher dem Präsidium vor. Und das ist Christian Seifert. Das ist eine richtungweisende Veränderung. Denn der 50-Jährige ist nicht umsonst Geschäftsführer der DFL. Jetzt bekommt jener Mann mehr Macht, der vor allem für eines steht: finanzielles Wachstumsstreben.

»Wenn man die Bundesliga spannender machen will, dann muss man die Spitzenklubs stärken«, sagte Seifert. Er verkauft es als »unangenehme Wahrheit«. Aber als Wahrheit - aus seiner Sicht, die sein Handeln bestimmt. Dass sich die DFL in diesem Punkt, aber auch sonst nicht wirklich einig ist, liegt begründet schon in ihrer Struktur als Vereinigung von 36 Profiklubs, die alle auch eigene Interessen haben. Wenn sich Interessen treffen, kämpfen manche gemeinsam gegen die anderen. So entstand das »Team Mittelstand« als loser zusammenschluss von Vereinen, die den Spitzenklubs bei der Geldverteilung beispielsweise von Medienerlösen weniger zugestehen will, um den Konkurrenzkampf in der Liga zu erhöhen. Als Folge dessen soll Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, am Dienstagabend seine Kandidatur für alle DFL-Posten zurückgezogen haben. Wütend, so erzählt man sich.

Am Mittwoch wurde kein offener Streit ausgetragen. Weil sich manche Probleme durch viele Gespräche am Dienstag erledigt hätten, wie Rauball offen mitteilte. Nun ja. Karl-Heinz Rummenigge jedenfalls forderte am Rande der Versammlung, dass »diese 16, 17 Vereine schnellstmöglich in den Kreise aller zurückkehren« sollten. So etwas habe er in mittlerweile 19 Jahren DFL noch nie erlebt.

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