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Schneller, höher, härter

Vor der EM sieht Trainer Felix Koslowski die deutschen Volleyballerinnen stark verbessert

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 5 Min.

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Felix Koslowski trainiert neben dem Bundesligisten Schweriner SC auch das deutsche Volleyball-Nationalteam der Frauen. Kurz vor dem EM-Auftakt an diesem Freitag 
gegen die Schweiz in Bratislava sprach Oliver Kern mit dem 35-Jährigen über Luxus im Volleyball, die Ziele für die EM und den langen Weg zurück zur Weltspitze.
Felix Koslowski trainiert neben dem Bundesligisten Schweriner SC auch das deutsche Volleyball-Nationalteam der Frauen. Kurz vor dem EM-Auftakt an diesem Freitag 
gegen die Schweiz in Bratislava sprach Oliver Kern mit dem 35-Jährigen über Luxus im Volleyball, die Ziele für die EM und den langen Weg zurück zur Weltspitze.

Sind Sie zufrieden mit der Vorbereitung auf die EM?

Ja, wir waren bis vor wenigen Tagen in Steinbrunn, südlich von Wien und nur etwas mehr als eine Stunde vom Spielort Bratislava entfernt. Wir hatten tolles Wetter und konnten die letzten drei, vier Tage in Ruhe trainieren. Die Stimmung ist dementsprechend sehr gut. Es gab ja auch einen freien Tag in der wunderschönen Stadt Wien.

Auch für den Bundestrainer? Oder haben Sie den Tag im Videoraum verbracht?

Nein. Ich bin sonst von morgens bis abends mit Trainingsvorbereitung und Videostudium beschäftigt, aber auch für das Trainerteam ist es wichtig, mal rauszukommen. Wir waren in der Stadt, haben miteinander gegessen - und natürlich doch wieder über Volleyball, unser Team und die kommenden Gegner geredet. Das Thema EM ist eben immer präsent.

Im Gegensatz zu anderen Sportarten genießen Sie den Luxus, das Nationalteam von Mai bis September zusammen zu haben. Haben Sie das Gefühl, neben dem Schweriner SC einen zweiten Verein zu trainieren?

Im Nationalteam pflegen wir schon ein sehr familiäres Verhältnis. Man reist so viel, verbringt so viel Zeit zusammen; das prägt eine Gruppe ungemein. Das ist sogar intensiver als bei einem Verein, wo jeder nach dem Training ins eigene Zuhause fährt. Im Sommer hingegen verbringen wir permanent Zeit zusammen. Da muss man schon darauf achten, dem Lagerkoller aus dem Weg zu gehen.

Wie stark hat sich ihr Team in diesen Monaten weiterentwickelt?

Grundsätzlich brauchen wir die lange Zeit zusammen. Wir haben zwar immer mehr Spielerinnen, die bei Klubs in den besten Ligen der Welt spielen wie Louisa Lippmann bald in China oder Jennifer Geerties in Italien. Aber das Gros spielt in der Bundesliga. Die hat sich strukturell sehr gut entwickelt. Aber die Ligen in Italien, Türkei, Russland, China, Brasilien können den Topstars viel höhere Gehälter zahlen. Das bedeutet, dass wir uns nach der Bundesligasaison an deren höheres Spielniveau erst anpassen müssen. Da hat die Mannschaft aber eine gute Entwicklung genommen. Wir spielen jetzt viel schneller, höher und härter in der Nationalmannschaft als in der Liga.

Normalerweise gibt es direkt nach Olympia einen Schnitt: Ältere treten ab, eine junge Generation wird dann vier Jahre lang aufgebaut. Ihre Mannschaft hingegen wird jetzt, nur ein Jahr vor Olympia noch einmal verjüngt. Im Kader gibt es sechs EM-Neulinge. Wie kommt das?

Die jungen Spielerinnen sind einfach sehr gut sind und talentiert. Wenn wir ehrlich sind, fehlte uns jahrelang etwas zur Weltspitze, doch jetzt haben wir Spielerinnen, mit denen der Sprung dahin zu schaffen ist. Auch wir planen in Olympiazyklen. Aber im deutschen Volleyball sind vier Jahre eher zu kurz. So viele Talente haben wir nicht. Also gehen wir von längeren Zeiträumen aus. Es ist realistischer, dass wir alle acht Jahre starke Mannschaften haben. Die letzte sehr gute Generation war bis Anfang 2016 aktiv und gewann zweimal EM-Silber. Als sie wegbrach, mussten wir viele Spielerinnen aus dem Anschlusskader von null auf hundert ins kalte Wasser schmeißen.

Rechnen Sie gar nicht damit, sich für Olympia 2020 zu qualifizieren?

Doch. Wir hauen alles rein, um dabei zu sein. Aber wir haben jetzt eine Generation besonders im Jahrgang 1994 und jünger, die in vier, fünf Jahren wirklich in die Weltspitze vordringen kann. Wir hatten jahrelang damit zu kämpfen, dass wir physisch extrem unterlegen waren. Jetzt kommen wieder Spielerinnen wie die kurzfristig in den Kader gerutschte Lina Alsmeier, die um die 1,90 Meter groß sind und weitere gute physische Parameter mitbringen.

Wie wichtig ist die EM für die Olympiaqualifikation?

Sie hat kaum eine Relevanz, denn es wird im Januar noch mal eine Art Mini-EM geben: das europäische Olympiaqualifikationsturnier. Zu dem werden die besten acht Teams Europas eingeladen. Und da sind wir dabei. Wir müssten schon sehr schlecht spielen und in der Vorrunde ausscheiden, um da noch rauszufallen. Sportlich ist es aber immer noch eine Europameisterschaft, also kein alltägliches Turnier, das man mal nebenbei spielt. Die Vorfreude ist sehr groß. Und wir brauchen diese Erlebnisse, um die Spielerinnen auch für das Turnier im Januar fit zu machen. Viele sind zum ersten Mal dabei. Sie benötigen die Erfahrung von großen Turnieren, die bis zu 16 Tage dauern: viele Spiele in kurzer Zeit gegen große Nationen.

Die Vorrundengruppe ist abgesehen vom großen Favoriten Russland machbar. Wie sehen Ihre Ziel aus?

Wie müssen die Vorrunde unter den ersten Vier überstehen und wollen auch gerne den zweiten Platz schaffen. Darüber hinaus zu denken, wäre noch vermessen. Wir wissen, wenn wir auf absolutem Topniveau spielen, haben wir gegen alle Mannschaften außer Russland eine realistische Chance zu gewinnen.

Dieses Niveau erreicht Ihre Mannschaft hier und da einmal. Da wird dann zum Beispiel Brasilien geschlagen. Aber dann fehlt es an Konstanz. Wie lange müssen Volleyballfans darauf noch warten?

So ein Sieg gegen Brasilien ist für uns ein wichtiger Moment, in dem wir schon jetzt weit über unserem aktuellen Niveau spielen, und der Gegner auch nicht den besten Tag hat. Die Brasilianerinnen sind uns allerdings physisch auch nicht ganz so überlegen wie die Türkei, Russland, Serbien oder die Niederlande. Deren Spielerinnen sind teilweise 20 Zentimeter größer als unsere. Polen hat vier, die über zwei Meter groß sind. Wir freuen uns über 1,90 Meter. Da siehst du im Angriff das Feld hinter dem Block nicht mehr, und andersrum wird einfach über unseren drübergeschlagen. An Siegen wie gegen Brasilien kann man uns aber auch noch nicht messen. Für uns ist Belgien eher ein guter Gradmesser, die ähnliche Spielertypen haben, und wir haben sie zuletzt regelmäßig geschlagen. Spielerisch sind wir also gut. Uns fehlt im physischen Bereich etwas. Doch wie gesagt: Wir haben junge Leute, mit denen wir den Anschluss in Zukunft schaffen können.

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