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Wahlgeschenke für die AfD

Vor den Landtagswahlen im Osten haben konservative Medien den Rechten in die Karten gespielt, meint Christian Klemm

  • Von Christian Klemm
  • Lesedauer: 4 Min.

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Medienkritik zur Landtagswahl: Wahlgeschenke für die AfD

Die »Bild« hat sich mal wieder selbst übertroffen. Am Samstag noch demonstrierten Zehntausende gegen die AfD und andere geistige Brandstifter. Und was macht das Revolverblatt aus dem Hause Springer? Es titelt seinen Bericht über die Demonstration aus Dresden mit der Schlagzeile »So spaltet unteilbar die Nation«. In dem Beitrag von Filipp Piatov wird antifaschistischer Protest im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen zu einem »Wahlgeschenk« für die Rechtspartei umgedeutet. Dabei hat »Bild« der AfD selbst mehrere Geschenke gemacht, indem sich das Blatt zuletzt mehrfach zum Sprachrohr von Höcke, Weidel und Konsorten gemacht hat.

Erinnert sei an die hysterische Debatte, als an einer Leipziger Kita kein Schweinefleisch mehr an die Kinder ausgegeben werden sollte. »Bild« kommentierte das Thema unter der Überschrift »Niemandes Seelenheil«. Der Autor Ralf Schuler teilte dabei mit der großen Kelle aus: »Nicht nur elementare demokratische Prinzipien werden durch dieses Minderheitendiktat außer Kraft gesetzt, sondern auch die Trennung von Religion und Staat. Das Schnitzel mag verzichtbar sein, die Grundregeln unseres Zusammenlebens sind es nicht!« Klar, dass es dafür kräftigen Applaus von rechts gab, denn dieses Narrativ stimmt mit der Erzählung der AfD gut überein: Die Muslime bestimmen inzwischen, was Deutsche essen.

Auch die Berichterstattung über die angebliche Randale migrantischer Jugendlicher im Düsseldorfer Rheinbad hatte mehr als Schlagseite. »In dem Freibad herrschte ein Klima der Angst«, schieb »Bild«. Tenor: Vorsicht, die afrikanischen Horden machen deutsche Schwimmbäder unsicher! Dass sich die Vorfälle im Anschluss als weitgehend unzutreffend herausstellten, haben nur die wenigsten mitgekriegt. Die Erzählung hatte sich bereits wie ein Lauffeuer ausgebreitet.

In ähnlich reißerischer Art berichtete »Bild« über das »berüchtigte« Prinzenbad in Berlin-Kreuzberg, in dem an heißen Tagen verhältnismäßig viele Menschen mit Migrationshintergrund eine Abkühlung suchen. Am Anfang des Textes »Bäuche, Burkinis und nackte Brüste« heißt es: »Allein im vergangenen Jahr wurden 122 Straftaten registriert - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.« Vor wenigen Tagen dann die Gegendarstellung: »Die 122 Straftaten wurden unter der Anschrift des Sommerbads Kreuzberg auch in den sieben Monaten erfasst, in denen das Bad nicht geöffnet ist. In der Statistik enthalten sind nicht nur Taten im Bad, sondern auch solche im Nahbereich. Es gab keinen einzigen Krawall«, stellen die Berliner Bäder Betriebe klar.

»Bild« verspricht sich von dieser Berichterstattung offenbar, den »Lügenpresse«-grölenden Wutbürger zurückzugewinnen. Den hat das Blatt nämlich mit einem verhältnismäßig flüchtlingsfreundlichen Kurs, der kurz gefahren wurde, verprellt. Was man später wohl als einen Fehler bereute. Es zählt die Auflage - und da ist es egal, wer die Zeitung kauft. Ausgezahlt hat sich die Wende bisher nicht: Die Auflage von »Bild« brach im zweiten Quartal dieses Jahres um knapp zehn Prozent ein.

Doch nicht nur »Bild« erledigt inzwischen ein Stück weit die Öffentlichkeitsarbeit der Rechten. So titelte die »Welt«: »Erneut Randale im Rheinbad - 60 Jugendliche wollen Kontrolle übernehmen«. Und »Welt am Sonntag«-Chefredakteur Johannes Boie machte seinen Ärger darüber Luft, dass bei der Demonstration des unteilbar-Bündnisses Nationalfahnen nicht erwünscht waren: »Unteilbar scheint bei dieser Demo nur die Gewissheit der Organisatoren zu sein, auf der richtigen Seite zu stehen. Das fühlt sich sicher gut an. Aber so wird der Riss, der sich durch die Gesellschaft zieht, nicht gekittet, sondern vergrößert.« Schon »Bild«-Journalist Piatov hatte sich darüber mokiert, dass die Trikolore in Dresden nicht im Wind flattern sollte.

Doch nicht nur Springer lässt kein gutes Haar an unteilbar. Als im Oktober vergangenen Jahres eine Viertelmillion Menschen unter dem Motto »Solidarität statt Ausgrenzung« auf die Straße gingen, schrieb Martin Busch im »Cicero«: »Wenn man allerdings nur Solidarität mit denen verspürt, die die Globalisierung als Fortschritt wahrnehmen, ist das auch eine Form von Ausgrenzung.« Der Vorwurf, das linke Bündnis spalte die Gesellschaft, geisterte also bereits damals durch die Medien. Offenbar haben sich »Bild« und Co. davon, sagen wir: inspirieren lassen. Wen würde es da noch wundern, wenn AfD-Politiker vor der nächsten unteilbar-Veranstaltung von »Spaltung« und »Spaltern« schwadronieren.

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