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Bohren nicht überall beliebt

Auf Borkum ist man besorgt wegen niederländischer Erdgasförderpläne

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

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Urlauber sind auf Borkum willkommen, Erdgasförderung eher nicht.
Urlauber sind auf Borkum willkommen, Erdgasförderung eher nicht.

Bis zu vier Millionen Kubikmeter Erdgas täglich möchte ONE-Dyas aus einer Förderstätte in der Nordsee an der deutsch-niederländischen Grenze gewinnen. Etwa zehn Kilometer von Borkum, der größten ostfriesischen Insel, entfernt, will das in Amsterdam beheimatete Unternehmen eine Plattform errichten. Von dort aus sollen bis zu zwölf Bohrungen in den Meeresboden niedergebracht werden. Das geförderte Erdgas möchte ONE-Dyas, vereinfacht dargestellt, über eine Pipeline abtransportieren. Die Fördermenge soll, damit rechnen die Planer nach bisherigen Untersuchungen, für 10 bis 25 Jahre reichen.

In Deutschland wird das Vorhaben mit großer Sorge betrachtet, wie jetzt bei einer Konferenz der Inselbürgermeister im niedersächsischen Oldenburg zu hören war. Auch Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) war dort zugegen und bekundete: Er lehne das Projekt der Niederländer ab. Zugleich versprach er den Borkumern, sie im Rahmen der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung, die dem Bau der Plattform vorausgehen muss, zu unterstützen. Er halte es für ein »schwerwiegendes Signal«, wenn in der Nähe des Weltnaturerbes Wattenmeer Bohrungen vorgenommen würden, deren Auswirkungen noch nicht vollständig geprüft seien. Keinesfalls dürfe jenes Naturerbe gefährdet werden.

Seine Ablehnung teilt Althusmann mit Umweltschützern. So betont Heiner Baumgarten, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND): Die Genehmigung neuer Gasfelder laufe nicht nur den deutschen Klimaschutzzielen zuwider, sondern stelle auch ein großes Risiko für die öffentliche Sicherheit dar. Durch Erdgasförderung komme es nämlich immer wieder zu Sackungen und Erdbeben. »Von möglichen Absenkungen des Meeresbodens könnte auch Borkum betroffen sein«, befürchtet Baumgarten.

Seine Organisation warnt zudem vor einem »erheblichen Lärmeintrag«. Die direkt an die geplante Plattform angrenzenden Naturschutzgebiete seien schon jetzt von »lauten Nutzungen« umrahmt - etwa von massivem Schiffsverkehr oder militärischen Übungen seitens der Niederlande. »Der negative Einfluss von Lärm auf Unterwassertiere wie Schweinswale, Fische und Wirbellose ist inzwischen unumstritten«, ergänzt Nadja Ziebarth vom BUND-Meeresschutzbüro. Weiterer Lärm durch Bohrungen, Versorgungsschiffe und Hubschrauber sei eine schwere Belastung für die geschützten Ökosysteme. Darüber hinaus befürchtet die Umweltorganisation negative Auswirkungen durch ein von der Plattform ausgehendes Austreten von Kohlenwasserstoffen, Bohrschlämmen und Lagerstättenwasser.

Wie aber lassen sich all diese befürchteten Folgen des niederländischen Projektes von Deutschland aus abwenden? Da ein Teil der potenziellen Erdgasfelder auf deutschem Hoheitsgebiet liegt, ist ein Mitspracherecht durchaus gegeben. Vor einer Genehmigung durch das Wirtschaftsministerium in Den Haag muss eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen. Eine internationale Konvention stellt sicher, dass zu grenzüberschreitenden Projekten auch Befürchtungen aus dem jeweiligen Nachbarland Gehör finden.

»Jeder hat die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben«, heißt es auf einer Internetseite, mit der die Stadt Borkum umfassend über die niederländischen Erdgaspläne vor der Insel informiert. Noch bis zum 19. September können demnach nicht nur die Insulaner ihre Einwände gegen das Bauen, Bohren und Gasfördern vorbringen. Die dürften vielfältig sein, denn man befürchtet vor Ort auch negative Auswirkungen auf den Tourismus. Über 300 000 Urlauber reisen jährlich auf die Insel; die Anbieter von Quartieren freuen sich über jährlich mehr als 2,5 Millionen Übernachtungen - bisher.

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