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Der Einpeitscher

Oliver Kern wirft bei der WM in China einen Blick über den Parkettrand hinaus.

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 2 Min.

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Basketball: WM, Deutschland - Jordanien, Vorrunde, Gruppe G, 3. Spieltag im Shenzhen Bay Sports Center.
Basketball: WM, Deutschland - Jordanien, Vorrunde, Gruppe G, 3. Spieltag im Shenzhen Bay Sports Center.

Shareef ist es mal wieder zu leise in der Halle. Also beginnt der recht kleine Mittvierziger im zu großen grün-weißen Basketballdress auf der Tribüne nach links und rechts zu rennen. Er klatscht rhythmisch in die Hände und ruft: »Jor-dan« klatsch-klatsch »Jor-dan« klatsch-klatsch. Es dauert nicht lange, da haben die Chinesen verstanden, was er von ihnen will: Macht mal ein bisschen Stimmung hier! Mein Team braucht Euch.

Das Publikum mag Shareef und steigt ein, auch wenn sie immer genau dann »Jor-dan« rufen, wenn sie eigentlich gerade klatschen sollen. Egal, auch das Hin und Her zwischen Publikum und Einpeitscher klingt gut, und Shareef hat die Leute wieder mal auf seine Seite gezogen.

Zum ersten Mal war ihm das im Auftaktspiel gegen die Dominikanische Republik gelungen. Sein Team lag mit 16 Punkten zurück. Da startete Shareef seine Cheerleader-Mission. 2:30 Minuten vor dem Ende führte Jordanien plötzlich. »Natürlich habe ich dem Team geholfen. Für viele Spieler ist das hier die erste WM. Die waren eingeschüchtert. Aber als sie die Leute gehört haben, hatten sie keine Angst mehr«, meinte Shareef danach stolz, auch wenn Jordanien die Partie doch noch knapp verloren hatte.

»Ich bin großer Fan des jordanischen Basketballs und extra aus der Heimat angereist, um das Team zu unterstützen«, sagte er mit Hilfe eines Übersetzers. »Aber weil nicht so viele Landsleute da sind, versuche ich eben, die Chinesen auf unsere Seite zu ziehen.« Der gewünschte Effekt blieb bislang aus. Gegen Frankreich gab es eine klare Niederlage. Und auch im Match gegen die Deutschen am Donnerstag wurde es nichts mit dem ersten Sieg einer jordanischen Basketballer bei einer WM.

Lesen sie auch: »Warum nicht gleich so?« Beim 96:62 gegen Jordanien gelingt den deutschen Basketballern eine Befreiung

Weil er danach ohne erkennbare Akkreditierung in den Katakomben herumläuft und die Buchstaben JBF auf seinem Trikot stehen, frage ich Shareef noch, ob er von Jordaniens Basketballföderation für seine Dienste bezahlt wird. »No, no, no!«, wehrt er plötzlich in gebrochenem Englisch ab, vielleicht aus Angst, ich würde ihn beim Weltverband anschwärzen. Mit flehenden Handbewegungen sagt er: »I love you basketball. I love you Jordan. I love you Germany.«

Ganz ruhig, Shareef! Ich würde doch nie die größte Stimmungskanone dieser WM verpfeifen.

Alle Tagebücher von der WM in China: dasND.de/BasketballWM

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