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Wut im Bauch

OSSIS TAGEBUCH

5. September 1989: Ich traf Roswitha, unsere HGL-Vorsitzende, in der Kaufhalle. Sie erzählte, sie habe an ihrem gestrigen Haushaltstag einen Ausflug nach Leipzig unternommen, um am Friedensgebet in der Nikolaikirche teilzunehmen. Die montäglichen Friedensgebete, erfahre ich, gibt es schon seit Anfang der 80er Jahre - gegen »Rüstungswahn« und Raketen. Nicht nur in Leipzig. Dort seien sie aber zunehmend auch von Bürgern, deren Ausreiseanträge abgelehnt worden sind, zu Protesten genutzt worden. Mit leuchtenden Augen berichtete Roswitha, dass sich diesmal vor der Nikolaikirche Hunderte versammelt hätten - mit Transparenten, auf denen stand: »Für ein offenes Land mit freien Menschen« und »Reisefreiheit statt Massenflucht«. Einige hätten »Wir bleiben hier!« gerufen. Staatssicherheit sei dann eingeschritten und hätte die Transparente kassiert. Es sei aber friedlich geblieben, versicherte Roswitha. Ich gab zu bedenken, ob man sich darauf auch ...


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