»Macan«, frontal

Gleichung stimmt, Vergleich hinkt

«Unfallexperte»: Polo durchaus gefährlicher als ein Macan

Von Mika Mlynar

Kürzlich geriet in Berlin ein Superschwergewicht-PKW, ein so genannter SUV vom Typ «Macan», auf den Gehweg und tötete vier Menschen. (Die Ursache war zu Redaktionsschluss dieser Seite noch nicht öffentlich.) Bereits unmittelbar nach dem Unfall war die Frage hoch gekommen, ob ein solches Auto, das die Eigenschaften von Sport-, Gelände- und Luxusmobil vereint, im Verkehr prinzipiell gefährlicher sei als andere Typen. Bezüglich Masse und Geschwindigkeit hatte die dpa dazu einen so genannten Unfallexperten zitiert: «Die Masse geht hier nur mit der Hälfte in die Formel ein und die Geschwindigkeit mit dem Quadrat. Das heißt nichts anderes als: Wenn ein ›Polo‹ 70 fährt, ist er durchaus gefährlicher für einen Menschen als ein ›Macan‹ mit 40.»

Die Gleichung stimmt, aber der Vergleich hinkt, und man ahnt durchaus warum. Was die kinetischen Energie betrifft, so spielen die Massen mit 2,5 Tonnen («Macan») und 1,5 Tonnen («Golf) bei angenommenen 80 km/h durchaus eine Rolle. Sie ist beim Aufprall eines »Macan« rund drei Mal so hoch. Zudem beschleunigt bereits die »Macan«-Variante mit nur 240 PS gut doppelt so viel wie einer der stärksten »Polos« (80 PS). Und noch etwas: Mit besagtem »Macan« ist man ab 1800 Euro jährlich bei Kasko dabei, beim »Polo« schon mit etwa der Hälfte. Der von der dpa zitierte »Unfallexperte« ist im Hauptberuf leitender Mitarbeiter beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Für die sind »Stadtgeländewagen« derzeit ein Supergeschäft.

Die meisten Unfälle im Straßenverkehr rühren übrigens letztlich daher, dass - egal, ob das Auto zu schnell oder zu schwer, zu leicht oder zu langsam war - nicht situationsgemäß gebremst wurde. Deshalb probieren wir es hier zur Prophylaxe mal wieder theoretisch: Der Anhalteweg (A, in Metern) eines Autos ist = Reaktionsweg R (in m) + Bremsweg B (in m). Ist die Fahrgeschwindigkeit x (in km/h), gelten als Faustformeln R= 3x/10 und B= x²/100. Frage: Wie lang ist der Anhalteweg, wenn der Bremsweg 25 Meter beträgt? Mika Mlynar