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Ungehorsam fürs Klima

Aktivist*innen von »Ende Gelände« und der Bewegung »Seebrücke« blockieren stundenlang Hauptverkehrstraßen in Berlin, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen

  • Von Katharina Schwirkus und Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.
Aktivist*innen von
Aktivist*innen von "Ende Gelände" und der Bewegung "Seebrücke" blockieren am Freitagabend das Hallesche Ufer in Berlin.

Vom Potsdamer Platz aus starteten am Freitagnachmittag mehrere Kleingruppen, sogenannte Demonstrationsfinger, um an verschiedenen Stellen Berlins die Straßen zu blockieren. So traf sich ein Finger mit Menschen aus der Klimabewegung »Ende Gelände« mit Aktivist*innen von der »Seebrücke«, die sich für legale Migrationswege einsetzt, gegen 17:00 Uhr am Anhalter Bahnhof und lief dann die Stresemannstraße Richtung Hallesches Ufer hoch.

Der von feministischen Gruppen gebildete »Lila-Finger« zog vor die Bayer-Konzernzentrale im Wedding. Rund 60 Demonstrant*innen blockierten für rund eine Stunde die Straßenkreuzung vor dem Pharmaunternehmen. »Bayer macht Profite mit der Ware Gesundheit. Bayer und Monsanto machen Profite mit der Klimakrise«, sagte Hannah Eberle, Sprecherin des Bündnis »Ungehorsam für Alle«, gegenüber »nd«. Deswegen sei es wichtig, »dass wir auch vor Konzernen blockieren und als Zeichen des Protestes den Straßenverkehr lahmlegen«, so Eberle weiter.

Die Polizei räumte die feministische Blockade, nachdem sie drei Mal dazu aufgefordert hatte, die Straßen zu räumen. Mehrere Demonstrierende wurden von den Beamt*innen weggetragen, Festnahmen gab es hier keine. Die etwa 1000 Menschen, die von »Ende Gelände« und »Seebrücke« zusammen kamen, besetzten die Straßenkreuzung am Halleschen Ufer und legten damit in Teilen die Wilhelmstraße, Hallesches Ufer, Tempelhofer Ufer und den Mehringdamm bis in die Nacht lahm. Erst gegen 21:00 Uhr begann die Polizei dort damit, die Blockade zu räumen. Nach Angaben der »Ende-Gelände«-Pressesprecherin Sina Reisch gegenüber »nd« wurden am Abend 25 Personen festgenommen, von denen am Samstagmorgen noch drei in Gewahrsam saßen.

Die Klimakrise ist rassistisch

Mara Räther, Pressesprecherin der Bewegung »Seebrücke«, sagte zu »nd«: »Wir sind heute hier, weil wir sagen, die Klimakrise ist auch eine rassistische Krise.« Das gleiche Wirtschaftssystem, dass auf der Ausbeutung natürlicher Ressourcen beruhe, führe dazu, dass Milliarden von Menschen im globalen Süden ihre Lebensgrundlage verlieren und fliehen müssten. »Die Reaktion der Europäischen Union darauf ist, eine Mauer um unsere imperiale Lebensweise herum zu bauen«, klagte Räther an.

Auch Tadzio Müller, seit mehr als zehn Jahren in der Klimabewegung aktiv, war bei der Straßenblockade am Halleschen Ufer dabei. Gegenüber »nd« sagte er, dass die Klimabewegung in Deutschland mittlerweile ein hohes Ansehen genieße und bis in die Mitte der Gesellschaft reiche. »Deswegen sind wir heute ungehorsam für alle«, so Müller weiter. Mit Blick auf die Ergebnisse des Klimakabinetts sagte er: »Die Regierung sagt: Klimaschutz findet nicht statt, wir geben die Verantwortung ab. Nehmen wir die Verantwortung an? Das ist die Frage, die sich uns heute stellt und die Leute hier sagen, ja wir nehmen die Verantwortung an.«

Am Potsdamer und am Alexanderplatz blockierten Mitglieder von »Extinction Rebellion« (zu Deutsch: »Rebellion gegen das Aussterben«) bis in die Nacht hinein Straßen. Tagsüber hatten sie ebenfalls einige Straßen der Hauptstadt für mehrere Stunden besetzt.

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