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Senkrechtstarter und sozialistischer Held

Weltraumpionier Sigmund Jähn ist gestorben

  • Lesedauer: 3 Min.

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Sigmund Jähn steht gemeinsam mit Kindern im Kosmonautenzentrum in Chemnitz.
Sigmund Jähn steht gemeinsam mit Kindern im Kosmonautenzentrum in Chemnitz.

Berlin. Buchdrucker, Jagdflieger, Kosmonaut, Volksheld: Die Karriere des Vogtländers Sigmund Jähn war nicht nur im übertragenen Sinn steil. Sein Ruhm gründet auf einem wirklichen Senkrechtstart: Mit langem Feuerschweif hob am 26. August 1978 die sowjetische Rakete »Sojus 31« in Baikonur in den Himmel ab. Mit an Bord saß, in seinen Sessel gepresst, der DDR-Luftwaffenoffizier Jähn. Mit dem Flug ging er als erster Deutscher im All in die Geschichte ein. Nun ist er im Alter von 82 Jahren gestorben, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Sonntagabend mitteilte.

Der damals 41-Jährige wagte das größte Abenteuer seines Lebens, und die DDR feierte ihn euphorisch. Sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten dauerte die Reise mit Aufenthalt auf der Raumstation Saljut 6. Das DDR-Fernsehen zeigte Sondersendungen mit Liveschaltungen ins Weltall zu Jähn und den sowjetischen Kosmonauten.

Jähn, der am 13. Februar 1937 im vogtländischen Morgenröthe-Rautenkranz (Sachsen) zur Welt kam, war der 90. Mensch im All. Später berichtete er von der enormen Anspannung beim Start und schwärmte vom ersten Blick auf die in »leuchtendes Blau gehüllte Erde«.

Der Flug des Kosmonauten gehörte zum sogenannten Interkosmosprogramm. Darin bot die Sowjetunion ihren Verbündeten gemeinsame Reisen ins All an. Wenige Monate vor dem Vogtländer flogen 1978 bereits der Tscheche Vladimir Remek und der Pole Miroslaw Hermaszewski in den Weltraum.

Jähn blieb immer bodenständig

Zur Vorbereitung mussten sich die Kosmonauten zwei Jahre lang im »Sternenstädtchen« bei Moskau einem harten Training unterziehen. Bevor Jähn 1976 mit seiner Familie dorthin kam, war der gelernte Buchdrucker in den DDR-Luftstreitkräften zum Inspekteur für Jagdfliegerausbildung aufgestiegen. Stets nach Höherem strebend und von einfacher Herkunft war er nach seinem Weltraumflug der perfekte sozialistische Held. Nach der Wiederkehr auf die Erde folgten Orden, Ehrenbürgerschaften, Jubelrundreisen und Empfänge.

»Mir war der Rummel eher peinlich. Aber ich habe das als eine Art Dank betrachtet«, sagte Jähn später in einem Interview. Die DDR-Führung kostete den Erfolg voll aus, denn sie wollte die Leistungsfähigkeit des Arbeiter- und Bauernstaates beweisen.

Während seiner endlosen Rundreisen durch Betriebe und Schulen wurde Jähn als Held herumgereicht. Dabei verschwieg man die überaus harte Landung, die ihm ein Rückenleiden einbrockte. Jähn gab sich aber bescheiden und natürlich. In der Bevölkerung erwarb der verheiratete Vater zweier Kinder Sympathie und Respekt, und nach der Wende 1989 blieb er populär. 1999 erhielt er den ostdeutschen Medienpreis »Goldene Henne«, und die früheren Bundespräsidenten Roman Herzog und Johannes Rau ehrten ihn.

Auch beruflich stürzte der Kosmonaut und entlassene NVA-General Anfang der 90er Jahre nicht ab. Er hatte gute Freunde, wie den ersten westdeutschen Weltraumfahrer Ulf Merbold, und sein Insiderwissen über die russische Raumfahrt war gefragt. Der in Strausberg bei Berlin lebende Jähn war Berater für die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) und für die europäische Raumfahrtagentur ESA und reiste immer wieder zu Vorträgen und Lesungen durch das Land.

Am Samstag ist Sigmund Jähn im Alter nun gestorben. Die DLR-Vorstandsvorsitzende Pascale Ehrenfreund würdigte den ersten Deutschen im All als »weltweit anerkannten Kosmonauten, Wissenschaftler und Ingenieur«. Sie betonte, Jähn habe sich auch immer als Brückenbauer zwischen Ost und West im Sinne der friedlichen Nutzung des Weltraums verstanden. epd/nd

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