Neckermann-Mitarbeiterinnen stehen neben dem Büro von Condor und Thomas Cook im Flughafen Palma de Mallorca.
Klima

Was die Thomas-Cook-Pleite lehrt

sieben tage, sieben nächte über den Wandel des Klimas und Flugreisen.

Von Stephan Kaufmann

Das Klima wandelt sich, und die Schuld daran wird oft den Verbrauchern gegeben: Sie konsumierten zu viel, zum Beispiel Flugreisen, und fühlten zu wenig Flugscham. Dass die Verbraucher überhaupt so viel fliegen können, liegt an den niedrigen Ticketpreisen, die auch jenen eine Reise ermöglichen, die offiziell nicht zu den Leistungsträgern der Gesellschaft gezählt werden. Dass die Preise so niedrig sind, soll wiederum Schuld der Politik sein, die das Fliegen zu wenig besteuert. Dass der Staat das Fliegen nicht teurer macht, kann allerdings nicht der Grund dafür sein, dass es im Ausgangspunkt so billig ist.

Den wahren Grund nannte diese Woche im Zusammenhang mit der Thomas-Cook-Pleite der Chef des Cook-Konkurrenten TUI in der FAZ: die »schwierige« Marktlage. »Auf dem deutschen Markt gibt es zu viel Flugkapazität«, so Fritz Joussen, »es muss eine Bereinigung geben«, also Pleiten. Doch die fänden nicht statt. Selbst die Flugzeuge von Air Berlin »fliegen alle noch, nur für andere Gesellschaften«. Solange es keine Bereinigung gebe, bleibe der Preisdruck hoch.

Darunter leiden die Unternehmen zwar. Doch eigene Kapazitäten stilllegen wollen sie nicht. »Solange es Flugzeuge gibt«, erklärt Joussen, »fliegen sie«, was allerdings nicht an den ruhelosen Maschinen liegt, sondern an der Tatsache, dass diese Fluggeräte Betriebsmittel sind, die einen Gewinn abwerfen sollen oder zumindest Einnahmen erwirtschaften. Angesichts der Überkapazitäten bieten die Airlines daher Mallorca-Flüge für 19 Euro an und versuchen so, einerseits auch die Reiselust der Armen zu Geld zu machen und andererseits die Konkurrenten - unter anderem die Bahn - auszustechen. Die Überkapazitäten bleiben damit bestehen, teilweise gefördert durch Staatskredite. Jedes einzelne Unternehmen wünscht sich zwar »Marktbereinigung« - aber bei den anderen. Frei nach dem Satz des ehemaligen BMW-Chefs Eberhard von Kuenheim: »Es gibt zu viele Autos, aber zu wenig BMW.«

So ist die marktwirtschaftsgemäße Lage. Wie wird sie gedeutet? Die Airlines in Form des Luftverkehrsverbandschefs Matthias von Randow beklagen die »unwirtschaftlichen« Billigpreise und die »künstlich erzeugte Nachfrage«. Randow tut damit so, als wäre die Marktlage ein den Unternehmen von außen aufgedrücktes Datum für das sie nichts können - und nicht das Ergebnis ihrer eigenen Verdrängungskonkurrenz. Für die Politik in Form von Alexander Dobrindt sind die Billigpreise »weder marktwirtschaftlich noch klimapolitisch sinnvoll«. Damit leistet der Ex-Verkehrsminister seinen Beitrag zur Annahme, Marktwirtschaft und Klimaschutz gehörten eigentlich zusammen.

So ist das Problem schön zurechtdefiniert: als ein Versagen der Verbraucher, deren beschränkt zahlungsfähiges Erholungsbedürfnis das Klima versaut. Stephan Kaufmann