Werbung

Der wilde Jäger von der AfD

LINKE und Grüne wollen Daniel Freiherr von Lützow nicht ins Landtagspräsidium wählen

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

»Super« findet der Landtagsabgeordnete Daniel Freiherr von Lützow (AfD) seine »Truppe«. Er meint damit freilich nicht die historischen Lützower Jäger, sondern die 22 Kollegen seiner Fraktion. Er sei »stolz, dazuzugehören«. Wo Freiherr von Lützow nicht dazugehört: das Präsidium des Parlaments. Bei der Landtagssitzung am 25. September ist er in zwei Wahlgängen durchgefallen. »Sehr schade« findet dies AfD-Fraktionschef Andreas Kalbitz, und er lenkt nicht ein. Die AfD will keinen anderen Personalvorschlag unterbreiten und Daniel Freiherr von Lützow erneut für den vakanten Posten benennen.

Wenn die AfD dies tue, »dann nur, weil es ihr ums Spektakel geht«, denkt CDU-Fraktionschef Jan Redmann. Denn der Landtag hatte am 25. September - wenn auch mit Bauchschmerzen - den AfD-Abgeordneten Andreas Galau zum Parlamentsvizepräsidenten gewählt, da dieser Posten der zweitstärksten Fraktion nun einmal zusteht und Galau innerhalb der neuen AfD-Fraktion noch ein Gemäßigter zu sein scheint, was im Vergleich in der alten AfD-Fraktion nicht gegeben war. Darüber hinaus wurde der AfD-Abgeordnete Steffen Kubitzki im Präsidium akzeptiert.

Damit habe der Landtag gezeigt, »dass es um die Personen und nicht um deren Parteizugehörigkeit geht«, erklärt Redmann. »Der Landtag hat mit der Ablehnung des Abgeordneten von Lützow aber auch gezeigt, dass Rechtsextreme in Brandenburg nicht mehrheitsfähig sind.« Redmann rät: »Statt sich fortwährend als vermeintliches Opfer zu inszenieren, sollte die AfD anfangen, sich für die Zukunft Brandenburgs einzusetzen.«

Linksfraktionschefin Kathrin Dannenberg urteilt, es habe sich seit dem 25. September nichts verändert. »Freiherr von Lützow bleibt, was er war: rechtsaußen und rassistisch.« Dannenberg findet, wer Sätze sage wie »Wir sind der blaue Sturm, der Deutschland reinigt«, und wer glaube »Wenn wir unser Volk retten wollen, gibt es nur den Weg der Remigration«, der dürfe nicht das repräsentative Amt eines Präsidiumsmitgliedes ausüben. Die Linksfraktion werde wieder geschlossen gegen Daniel Freiherr von Lützow stimmen, kündigte Dannenberg an. Die LINKE hatte auch geschlossen gegen Andreas Galau gestimmt.

Ebenfalls keinen Zweifel aufkommen lässt Grünen-Fraktionschefin Ursula Nonnemacher. Sie sagt: »Wir werden keinen Kandidaten wählen, der selbst im ohnehin radikalen ›Flügel‹ der AfD weit rechtsaußen steht«, der regelmäßig bei Kundgebungen des asylfeindlichen Vereins »Zukunft Heimat« als Redner aufgetreten sei und sich durch seine völkisch-rechtsextremistischen Äußerungen »völlig diskreditiert« habe. Als nächster Sitzungstermin des Landtags ist der 5. November ins Auge gefasst.

22,3 Prozent der Stimmen erhielt Freiherr von Lützow bei der Landtagswahl am 1. September in seinem Wahlkreis 25. Das reichte nicht für den Sieg. Ortwin Baier (SPD) holte diesen Wahlkreis mit 24,8 Prozent der Erststimmen. Der Kandidat von Lützow war jedoch über Platz drei der Landesliste seiner Partei abgesichert.

Im Wahlkampf hatte die AfD Blankenfelde-Mahlow, deren Vorsitzender Daniel Freiherr von Lützow ist, für den 10. August zu einem Kinder- und Bürgerfest auf der Festwiese am S-Bahnhof Mahlow eingeladen. Angekündigt waren dazu die Lützower Jäger. Der Name leitet sich her von einem Freikorps aus den antinapoleonischen Befreiungskriegen. Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow hatte das legendäre Freikorps, das hinter den feindlichen französischen Linien operierte, im Jahr 1813 aufgestellt. Neben 3000 anderen Freiwilligen hatte sich Eleonore Prochaska gemeldet, die als Mann verkleidet unter dem Namen August Renz diente. Erst als sie im September 1813 im Gefecht schwer verletzt wurde, entdeckte ihr Vorgesetzter bei der Versorgung ihrer Wunden, dass er eine Frau vor sich hatte. Prochaska starb am 5. Oktober 1813 an den Folgen der Verletzung.

In dem 1972 gedrehten DEFA-Film »Lützower« ist die Figur der Marie an das Schicksal von Eleonore Prochaska angelehnt. In der Nationalen Volksarmee (NVA) trug ein Kampfhubschraubergeschwader den Namen »Adolf von Lützow«. Bereits 1813 schrieb Theodor Körner das Gedicht »Lützows wilde, verwegene Jagd«, das von Carl Maria von Weber vertont wurde.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!