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Ernährungsräte und Tafelrunden

Brandenburg will Kindern und Jugendlichen gesunde Ernährung schmackhaft machen

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Gesund, abwechslungsreich und regional sollte das Schulessen gerade in der Grundschule sein.
Gesund, abwechslungsreich und regional sollte das Schulessen gerade in der Grundschule sein.

Nachdem vor Jahren ein landesweites »Bündnis für gesundes Aufwachsen in Brandenburg« gegründet wurde, nehmen sich nun auch regionale »Ernährungsräte« bestehender Defizite auf diesem Gebiet an. Solche »Tafelrunden« loten nach eigenem Bekunden den Einsatz regionaler Produkte beim Schulessen und überhaupt Möglichkeiten einer besseren Schulverpflegung aus. Den Vorzug erhalten sollen ökologisch produzierte Lebensmittel. Die Ausdehnung dieser Bewegung auf öffentliche Kantinen, Kitas und Krankenhäuser ist nicht ausgeschlossen.

Vor einem Jahr wurde in Kyritz mit der Bildung des »Ernährungsrates Prignitz-Ruppin« sozusagen der Startschuss gegeben. Die Idee: Landwirte, Schulträger, Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter sollen sich miteinander vernetzen. Derzeit wird die Gründung weiterer Räte in Potsdam-Mittelmark und Märkisch-Oderland vorbereitet. Potsdam und Eberswalde planen außerdem sogenannte Tafelrunden zur besseren Schulverpflegung. Die Initiatoren streben die Einrichtung eines Ernährungsrats für ganz Brandenburg an, sagte Marc Schreiber, Projektleiter der »Regionalen Tafelrunden« bei der Landesarbeitsgemeinschaft für politisch-kulturelle Bildung in Brandenburg einer lokalen Zeitung. Ihm zufolge stammt die Idee der Ernährungsräte aus den USA.

Das Problem: Ökologisch produzierte Lebensmittel sind in der Regel teurer als herkömmliche. Und gewöhnlich entscheidet der Preis, welcher v Schulessen-Anbieter die Ausschreibung gewinnt.

Nicht angesprochen wurden bei der Initiative die in Schulen allgegenwärtigen Snack-Automaten, bei denen kleine Kinder den Werbestrategien der Süßwarenkonzerne schutzlos ausgeliefert sind. Solche Automaten wurden nach der »Wende« aufgestellt und tragen erheblich dazu bei, dass viele Kinder heute nicht mehr vorwiegend Lebensmittel zu sich nehmen, sondern Genussmittel. Kein Bildungsminister hat sich bislang bereitgefunden, diese »Zuckerschleudern« zu verbieten. Thomas Erler, Ärztliche Direktor des Klinikums Westbrandenburg, sagte dazu bei der jüngsten Tagung des »Bündnisses für gesundes Aufwachsen«: »Kinder können ihr Schicksal nicht in die eigenen Hände nehmen.« Sie seien darauf angewiesen, dass Eltern, aber auch Ärzte genau hinsehen.

Neu ist das Problem nicht, schon in den letzten Jahren der DDR griffen Schulkinder, vor die Wahl gestellt zwischen Mutters Wurst- und Käsestulle oder Kuchen meist das billigen Angebot beim Bäcker an der Ecke.

Um dem zunehmendem Übergewicht bei Kindern etwas entgegenzusetzen, forderten brandenburgische Ärzte dieser Tage die Einführung einer Zuckersteuer. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) verweist auf positive Erfahrungen, die man im Ausland damit gemacht habe. »Durch die Einführung von Zuckerabgaben und damit höheren Preisen ist den Verbrauchern dort die Lust auf Süßes weitgehend vergangen, die Absatzzahlen an Süßgetränken gehen seit Einführung der Steuer deutlich zurück«, wird BVKJ-Präsident Thomas Fischbach zitiert.

In Industrieländern tritt Übergewicht bei Kindern vor allem in einkommensschwachen Schichten auf. In Brandenburg sind die Zahlen der Übergewichtigen im bundesweiten Vergleich besonders hoch. Einer Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) zufolge leiden fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen an krankhaftem Übergewicht. Neben zu viel Zucker gilt Bewegungsmangel als Grund dafür. Das Land reagierte insofern, als die Förderung gezuckerter Milchprodukte aus dem Schulmilchprogramm gestrichen wurde. Die betrug bislang 16 Cent pro Liter.

Die Debatte wird zeitgleich begleitet von der vorerst freiwilligen Einführung eines »Ampelsystems« für Lebensmittel aufmerksam. Hersteller und Verkäufer zuckerhaltiger Lebensmitteln verweisen darauf, dass dies in die Irre führe, weil - beispielsweise - nicht Schokolade an sich schädlich sei, sondern erst dann, wenn sie in der Ernährung Brot, Reis und Kartoffeln ersetze. Übergewicht vor allem bei Kindern hänge vor allem mit Bewegungsarmut und der zu hohen »Gesamtkalorienzufuhr« zusammen.

Das »Bündnis gesund aufwachsen in Brandenburg« hat vor einiger Zeit ermittelt, dass sich der Anteil übergewichtiger Kinder im Verlaufe der Schulzeit noch einmal auf zehn Prozent verdoppelt. Probleme mit Bewegungsstörungen und Übergewicht angewachsen, belegten die Pflichtuntersuchungen am Ende der Schulzeit.

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