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Türkisches Militär setzt Bodenoffensive in Nordsyrien fort

UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich mit dem Vorgehen der Türkei beschäftigen / UNHCR warnt vor neuen Fluchtbewegungen

  • Lesedauer: 3 Min.

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Syrische Zivilisten fliehen aus dem Ort Ras al Ayn in Nordostsyrien. Die Türkei hat nach Luftangriffen und Artilleriefeuer nun auch mit einer Bodenoffensive begonnen.
Syrische Zivilisten fliehen aus dem Ort Ras al Ayn in Nordostsyrien. Die Türkei hat nach Luftangriffen und Artilleriefeuer nun auch mit einer Bodenoffensive begonnen.

Istanbul. Das türkische Militär hat seine Offensive gegen die Kurden in Nordsyrien in der Nacht fortgesetzt. Die Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete: »Die türkischen Truppen und ihre Alliierten haben es nicht geschafft, über Nacht in eine Stadt nahe der Grenze zur Türkei einzudringen.« Derzeit würden die Außenbezirke des Ortes Tall Abjad beschossen, es ist ein Einfallstor der Offensive.

Lesen Sie auch: Die Kurden sind vor allem eins: allein. Während die Türkei Nordsyrien bombardiert, bereiten sich die kurdischen Kräfte auf einen Gegenschlag vor.

Die von der YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) meldeten am frühen Donnerstagmorgen, dass sie einen Angriff »türkischer Truppen und ihrer Alliierter« auf die Stadt Ain Issa zurückgeschlagen hätten. Die liegt rund 35 Kilometer von Tall Abjad entfernt. Das türkische Militär wird unterstützt von syrischen Rebellen. Die SDF gab an, es habe unter den Gegnern Opfer gegeben. Ain Issa stehe weiter unter Beschuss.

Der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge haben Artillerie-Einheiten im Morgengrauen von der türkischen Seite der Grenze aus auch den Beschuss der Stadt Ras al-Ain fortgesetzt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Beginn des lange geplanten Militäreinsatzes am Mittwochnachmittag per Twitter bekanntgegeben. In den ersten Stunden der türkischen Angriffe waren nach Angaben von Aktivisten mindestens 15 Menschen getötet worden. Unter den acht zivilen Opfern seien auch zwei Kinder.

Der Einsatz stößt international auf scharfe Kritik. Regierungen und Institutionen fordern den sofortigen Stopp. Am Donnerstagvormittag (Ortszeit) will sich der UN-Sicherheitsrat in New York mit dem Vorgehen der Türkei beschäftigen. Deutschland habe im Auftrag der fünf EU-Mitgliedsländer des Rates - neben Deutschland sind das Polen, Belgien, Frankreich und Großbritannien - beantragt, dass das Thema in einer Sitzung angesprochen werde, hieß es aus Diplomatenkreisen.

Angesichts des Beginns der türkischen Offensive in Nordsyrien hat das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR vor neuen Fluchtbewegungen gewarnt. Er fürchte, dass »erneute Kampfhandlungen zu neuen Fluchtbewegungen und neuer Vertreibung innerhalb Syriens führen werden«, sagte der UNHCR-Repräsentant in Deutschland, Dominik Bartsch, der »Welt« (Donnerstagsausgabe). Bartsch betonte zudem, dass die »Ressourcen der humanitären Akteure in und um Syrien im neunten Kriegsjahr längst am Limit« seien.

Auch der Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Johannes Varwick warnte in der Zeitung vor neuen Fluchtbewegungen und den Auswirkungen des türkischen Einmarsches auf die Region. »Wenn nun die Kurden im Zuge der türkischen Invasion aus Nordsyrien vertrieben werden, dann löst das gewiss eine neue Flüchtlingskrise aus, die die Region weiter destabilisiert«, sagte Varwick. Davon werde sich auch Deutschland nicht abschotten können. Die bisherige »westliche Passivität« kritisierte er. agenturen/nd

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