Schweinsteiger

Stiller Anführer und Publikumsliebling

Bastian Schweinsteiger hat sich vom Fußball verabschiedet.

Von Alexander Ludewig

Mit einer blond gefärbten Wuschelfrisur betrat Bastian Schweinsteiger am 6. Juni 2004 die ganz große Bühne des Fußballs. In Würde ergraut, sagte er am 8. Oktober 2019 leise Servus. Zwischen seinem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft und dem Karriereende im Alter von 35 Jahren beim US-amerikanischen Klub Chicago Fire gewann der Oberbayer fast alles, was dieser Sport hergibt. Mit mehr als 20 Titeln ist er Deutschlands erfolgreichster Fußballer.

Um Schweinsteiger zu beschreiben, genügt ein Tag, ein Fußballspiel. Keiner der 28 eingesetzten Spieler lief am 13. Juli 2014 mehr als die Nummer 7 der DFB-Elf: 15,3 Kilometer. Trotz schwerer Fouls der argentinischen Gegner warf er sich auch nach zwei Stunden Spielzeit noch in jeden Zweikampf. Und als es im WM-Finale in die Verlängerung ging, war er es, der das letzte Wort im Mannschaftskreis hatte - nicht Kapitän Philipp Lahm. Aufwand und Quälerei hatten sich gelohnt, Krämpfe und blutende Wunden waren vergessen: Weltmeister!

»In jeder Aktion spürte man seinen Siegeswillen«, erinnerte Joachim Löw nun zum Abschied des Mittelfeldspielers an das Endspiel von Rio. Fast noch mehr als der Bundestrainer steht Schweinsteiger für den Aufschwung des deutschen Fußballs. Mit ihm als jugendlichem Hoffnungsträger begann er 2004, mit ihm als Kapitän endete er im Sommer 2016 im EM-Halbfinale. Danach trat er aus dem Nationalteam zurück, mit den Worten: »Ein Kapitän muss nicht in erster Linie an sich selbst denken.« Sein Vorgänger Lahm hatte sich das Amt auch öffentlichkeitswirksam erstritten, Schweinsteiger war ein stiller Anführer - auch ohne Binde.

Mit Bastian Schweinsteiger hatte auch der FC Bayern, für den er in 500 Pflichtspielen auf dem Platz stand, mit unzähligen nationalen Titeln und dem Sieg in der Champions League 2013 eine große Zeit. In München war er, wie zuletzt auch in Chicago, der Publikumsliebling.