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Hilferuf der Pflegenden

Arbeitsniederlegung am Universitätsklinikum in Jena

  • Von Sebastian Haak
  • Lesedauer: 3 Min.

Lange schon klagen vor allem Pfleger des Uniklinikums Jena über schlechte Arbeitsbedingungen. Nun sind sie in einen eintägigen Warnstreik getreten, um ihren Forderungen nach einem Entlastungstarifvertrag Nachdruck zu verleihen. Laut der Gewerkschaft ver.di hatten sich am Montagmorgen zunächst etwa 250 Beschäftigte des Krankenhauses am Ausstand beteiligt. Ver.di erwartete, dass sich weitere Mitarbeiter im Laufe des Tages noch beteiligen würden, der bis spät in den Montagabend hinein dauern sollte.

Zuvor hatte ver.di erklärt, auch nach drei Runden und über 50 Stunden Verhandlungen habe es »keine handfesten Ergebnisse« in den Gesprächen zwischen Belegschaftsvertretern und der Geschäftsführung des Klinikums über bessere Arbeitsbedingungen gegeben. Die Gewerkschaft hat unterdessen an zahlreiche Thüringer Landespolitiker vier Erfahrungsberichte von pflegerischen Mitarbeitern des Klinikums verschickt, um zu unterstreichen, wie dramatisch aus Sicht vieler Beschäftigter die Arbeitsbedingungen dort sind.

Klinikleitung sieht Anlass für Streik nicht gegeben

Die Klinikleitung hatte diese Darstellung der Gewerkschaft bestritten. »Nach unserer Auffassung ist den Anlass für einen Warnstreik nicht gegeben«, so eine Mitteilung des Vorstands des Uniklinikums, die am Freitag verschickt worden war. Man sei »weiterhin uneingeschränkt« verhandlungs- und einigungsbereit. Das Verhandlungspaket sei sehr komplex, es gebe viele Positionen zu diskutieren und zu bewerten. »Dennoch haben wir uns nach drei Verhandlungsrunden in vielen wesentlichen Punkten mit ver.di bereits angenähert.« Die Versorgung medizinischer Notfälle sei während des Streiks gewährleistet. Das Klinikum ist zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung in Thüringen und einer der größten Arbeitgeber im Freistaat: Dort arbeiten in Krankenversorgung, Forschung und Lehre über 5600 Menschen.

Grüne Ministerin fordert faire Personalpolitik

Unterdessen sind die Warnstreiks Thema für die Landespolitik geworden, die sich in der Schlussphase des Landtagswahlkampfes befindet - was ein Grund dafür sein dürfte, dass die aus Jena stammende Spitzenkandidatin der Thüringer Grünen, Anja Siegesmund, die Klinikleitung am Montag aufrief, in der für Donnerstag geplanten nächsten Verhandlungsrunde »ein vernünftiges Maß zwischen Medizin und Ökonomie im Krankenhaus zu finden«. Eine faire Personalpolitik, die eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermögliche, müsse dabei im Vordergrund stehen. Auch Gesundheitsministerin Heike Werner (LINKE) unterstützt die Forderungen nach einem Entlastungstarifvertrag. »Die Beschäftigten fordern zu Recht bessere Arbeitsbedingungen ein.« Anders bei einer Quote für Fachärzte könne der Freistaat den Krankenhäusern im Bereich des Pflegepersonals keine Vorgaben dazu machen, wie viele Pfleger auf einer Station oder pro Patient es geben müsse. Das sei eine Angelegenheit des Bundes. Im Bundesrat sei Thüringen vor einigen Monaten mit der Forderung gescheitert, die Länder dazu zu ermächtigen, solche Vorgaben zu machen. Werner sagte, wenn dem Krankenhaus durch einen Entlastungstarifvertrag Mehrkosten entstünden, werde sich der Freistaat an deren Deckung beteiligen.

In den Schilderungen der Arbeitsbedingungen, die dem »nd« vorliegen, heißt es, dass in einem konkreten Fall eine Pflegekraft zeitweise mit neun Patienten alleine gewesen sei - und in der Zeit einer der Patienten habe reanimiert werden müssen.

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