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Linker in der Stichwahl

Halles Oberbürgermeister Wiegand verpasst die direkte Wiederwahl

  • Lesedauer: 3 Min.

Halle. In Halle an der Saale stehen parallel zur Aufarbeitung der Hintergründe des rechtsextremen Terroranschlags weitere zwei Wochen Wahlkampf an. Im Rennen um den Posten des Oberbürgermeisters konnte am Sonntagabend keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit holen. Amtsinhaber Bernd Wiegand lag zwar mit 44 Prozent der Stimmen deutlich vorn, wie die Wahlleitung bekannt gab. Der parteilose Politiker verpasste jedoch die absolute Mehrheit und muss am 27. Oktober in der Stichwahl gegen den rot-rot-grünen Kandidaten Hendrik Lange (LINKE) antreten. Lange kam dem vorläufigen Ergebnis zufolge auf gut 25 Prozent der Stimmen. Der gemeinsame Kandidat von CDU und Liberalen, Andreas Silbersack (FDP) landete mit fast 23 Prozent nur knapp dahinter.

Für den 62 Jahre alten Wiegand ist es die zweite Stichwahl: Vor sieben Jahren gelang dem damaligen Innendezernenten der Einzug in die zweite Runde. Dort siegte er gegen den CDU-Kandidaten Bernhard Bönisch und wurde Halles erstes parteiloses Stadtoberhaupt. Der Wahlsieg kam damals überraschend, in der ersten Runde hatte Bönisch mit Abstand die meisten Stimmen geholt. Das Beispiel zeigt, dass in zwei Wochen auch der Herausforderer vorn liegen könnte.

Lange sitzt seit 13 Jahren für die LINKE im Magdeburger Landtag. Der 42-jährige Diplombiologe war zudem vor der Kommunalwahl in diesem Mai fünf Jahre lang Stadtratsvorsitzender in der Saalestadt. Der gebürtige Quedlinburger trat im Jahr 2002 in die PDS, die Vorgängerpartei der heutigen LINKEN, ein. Für die Oberbürgermeisterwahl in Halle wurde er zum gemeinsamen Kandidaten von SPD, Grünen und LINKEN gewählt. Er galt schon vor der Wahl als wahrscheinlicher Herausforderer in einer möglichen Stichwahl. »Ich freue mich, dass das rot-rot-grüne Lager diese Stichwahl dann auch jetzt erreicht hat«, sagte Lange am Abend im Stadthaus.

Wenige Tage nach der Gewalttat vom 9. Oktober machten die Hallenser deutlich häufiger von ihrem Wahlrecht Gebrauch als noch vor sieben Jahren: Gut 42 Prozent gaben ihre Stimme ab. Damals hatte die Beteiligung bei 34,6 Prozent gelegen. Lange kündigte an, den Wahlkampf »mit der notwendigen Sensibilität« zu führen.

Wiegand sagte mit Blick auf die bevorstehenden zwei Wochen, dass die Stadt immer noch im Schockzustand sei. Es müsse klar gegen Rechtsradikale vorgegangen werden. Er betonte, dass der Täter nicht aus Halle kam. Die Sicherheit in der Stadt sei gewährleistet.

Nach Ansicht seines Kontrahenten Lange braucht es eine Neubewertung der Sicherheitslage für mittlere Großstädte wie Halle. »Diese Großstädte sind nicht immer in dem Fokus für solche Sicherheitslagen, wie es sein müsste«, sagte er. Zudem reiche das bisherige Vorgehen gegen Rechtsextremismus in der Stadt nicht aus. »Wir können an der Stelle mehr tun«, sagte er. Es müssten etwa die »entsprechenden finanziellen Ressourcen« für Engagement- und Demokratieförderung bereitgestellt werden.

Wiegand wurde am Sonntag von den Teilnehmern einer Solidaritätsdemonstration für die Opfer des Anschlags scharf kritisiert. Er verharmlost nach Ansicht von Antje Arndt von der mobilen Opferberatung für Opfer von rechter und antisemitischer Gewalt rechtsextreme Strukturen in der Stadt. Arndt trat bei der Demonstration als Rednerin auf und bekam für ihre Aussagen Applaus der mehr als 1000 Teilnehmer. dpa/nd

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