Herbstzeit, Erkältungszeit

Von Mike Mlynar

Seit Menschengedenken folgen wir Ritualen: gleich früh bei all dem, was dem Aufstehen folgt, bis hin zum Frühstückskaffee auf der Arbeit, mit der Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder, zu Feier- und Trauertagen, im Fußballstadion und in der Kirche, beim Lieben und Hassen, Essen und Trinken, beim Begrüßen und Verabschieden. Manche dieser Rituale sind offenbar sehr alt, andere neueren Datums. Psychologen und Soziologen meinen, dass sie uns, weil sie einen bestimmten Ablauf vorgeben, Ruhe und Sicherheit verleihen. Sie kanalisieren Gefühle, machen sie zwischenmenschlich vorhersehbar und lassen so Sinnesnähe aufkommen.

Mitunter machen Rituale auch nur etwas vor, sind hohl. Man denke an die überschwänglichen und vergifteten Handschläge, die der gegenwärtige US-Präsident verteilt. Doch generell fehlte uns ohne Rituale eine wohltuende Portion sozialen Kitts, von der Familie bis zur Gesellschaft. Mitunter muss man sich aber mit lieb gewonnenen Ritualen auch etwas einschränken. Beispielsweise, wenn sich jetzt mit dem Herbst die Erkältungszeit nähert und man sich beim Grüßen nicht wie gewohnt nahe kommt - womit wir bei einem kleinen Denkspiel wären ...

Die allmonatliche Bowlingrunde der Abteilung ist eigentlich viel größer, doch diesmal kamen am Mittwochabend nur fünf: Sofie, Markus, Marry, Kathi und Leo. Wenn es herbstlich wird, umarmt und küsst man sich sparsamer, gibt sich bestenfalls die Hand - und auch das eher reduziert. Sofie begrüßt genau eine/n aus der Runde mit Handschlag, und das macht auch Markus so. Marry, Leo und Kathi begrüßen je zwei mit Handschlag. Sofie und Kathi hatten sich die Hand gegeben - welche beiden haben das bestimmt nicht getan? Mike Mlynar