Eine Erlebnistour nicht von der Stange

Der Fotograf Thomas Billhardt begleitet eine exklusive nd-Leserreise nach Südvietnam

Von Heidi Diehl

Reisen nach Vietnam sind heutzutage eigentlich keine große Sache mehr. Fast alle Reiseveranstalter haben Touren dorthin in ihrem Angebot. Doch diese hier ist was Besonderes. Denn: Wer hat schon die Chance, mit einem Reiseleiter unterwegs zu sein, der das Land aus einer so speziellen Sicht kennt wie Thomas Billhardt. Mit der Kamera war er in den 60er Jahren Augenzeuge des Krieges, den die USA geben das kleine Land führte. Seine Fotos gingen um die Welt, er hielt der Welt mit ihnen schonungslos den Spiegel vors Gesicht und zeigte trotzdem, dass es Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt.

Diese ist in Vietnam inzwischen zum Glück Realität. Davon konnten sich auch jene Leserinnen und Leser überzeugen, die im Frühjahr dieses Jahres das große Glück hatten, gemeinsam mit Thomas Billhardt Nordvietnam zu entdecken. Und für den Fotografen war es ein Wiedersehen mit Menschen und Landstrichen, die er kennengelernt hatte, als in Vietnam noch der Krieg tobte. Den Teilnehmern wird diese nd-Leserreise wohl für immer als eine ganz besondere in Erinnerung bleiben, wie auch den Briefen zu entnehmen ist, die uns im Anschluss erreichten. Wie der von Gisela Strobel aus Chemnitz, die schrieb: »Hätte das ›nd‹ nicht eine Leserreise nach Vietnam angeboten ..., wäre ich nie auf die Idee gekommen, in dieses weit entfernte Land reisen zu wollen. Aber Thomas Billhardts Buch ›Sehnsucht Frieden - Vietnam‹ steht seit Jahrzehnten in meinem Bücherschrank. Und der Reisebegleiter war Thomas Billhardt! Deshalb gab es für mich kein langes Überlegen - ich meldete mich an.« Und Tankred Lange aus Mainz, der bei der Tour im Frühjahr ebenfalls dabei war, hat nicht nur einen fast 90-minütigen Film darüber erstellt, sondern uns auch Folgendes mitgeteilt: »Schon 50 Jahre begleiten mich die Bilder von Thomas Billhardt. Und so war es für mich besonders schön, ihn in relativ entspannter Atmosphäre kennenzulernen. Im Übrigen wird es zum ersten Jahrestag der Reise im März 2020 ein Treffen der Reisegruppe mit Thomas Billhardt in Berlin geben.«

Dann ist der Fotograf wahrscheinlich schon von der zweiten Tour in das Land seiner Träume und einstigen Albträume zurück. Denn vom 11. bis 22. März wird er erneut mit nd-Leserinnen und -Lesern in Vietnam unterwegs sein - diesmal im Süden des Landes. Beispielsweise führt die Tour nach Da Nang, wohin Billhardt 1975 als einer der ersten Reporter nach dem Krieg reiste. »Damals«, so erinnert er sich, »war das heutige Urlaubsparadies eine riesige Militärbasis.« Das hat sich inzwischen komplett geändert. Da Nang ist alljährlich das Ziel vieler Touristen aus aller Welt, die sich an den traumhaften Stränden der Region erholen.

Von Da Nang aus fahren die Reiseteilnehmer in knapp fünf Stunden mit dem Zug nach Quy Nhon, eine florierende Küstenstadt, die zum Glück bis heute vom Massentourismus verschont geblieben ist. Sie gilt als die Wiege der Cham-Zivilisation. Noch heute erinnern spektakuläre Türme daran, dass die Chams nicht nur Seefahrer, Fischer und Ackerbauern waren, sondern auch etwas vom Bauen verstanden. Nach einem Tag zum Entspannen und Entdecken der Cham-Kultur heißt es dann: Einchecken, um nach Ho-Chi-Minh-Stadt, das ehemalige Saigon zu fliegen! Für Sie ein kurzer Knapp-700-Kilometer-Flug - Thomas Billhardt kann sich aber noch gut an seine weit weniger komfortable Reise 1975 in die ehemalige Hauptstadt Südvietnams erinnern. Damals legte er die fast doppelt so lange Strecke von Hanoi nach Saigon in einem klapprigen Jeep auf zumeist abenteuerlichen Wegen zurück. Davon und von vielen anderen Erlebnissen aus seiner Zeit als Kriegs- und Nachkriegsberichterstatter in Vietnam werden Sie während der Reise einiges erfahren.

Besonders emotional dürfte der Besuch der Cu-Chi-Tunnel werden, jenes Tunnelsystems, das den Vietnamesen während des Krieges als Fluchtort diente. Der 200 Kilometer lange Tunnelkomplex unterhalb des Gebietes von Cu Chi war Kommandozentrale, Geheimgang, Lazarett und Versteck in einem. Erleben Sie dort selbst, wie es sich anfühlt, wenn man in den engen, niedrigen Tunneln Schutz sucht. Bei einer Breite von 60 bis 70 Zentimetern und einer maximalen Höhe von 1,50 Meter dürfte der Einstieg für viele eine echte Herausforderung werden.

Abenteuer ganz anderer - schönerer - Art erwarten Sie in den folgenden Tagen: eine Bootstour auf dem legendären Mekong, Besichtigungen mehrerer lokaler Handwerksbetriebe, Gärten und Märkte. Zu einem ganz besonderen Erlebnis wird sicher der Besuch bei vietnamesischen Gastfamilien auf der Insel An Binh, wo Sie nicht nur ein typisches regionales Abendessen genießen, sondern auch übernachten werden.

Gut ausgeschlafen steigen Sie dann nach dem Frühstück auf ein Fahrrad, um die Insel zu erkunden. Anschließend geht es per Boot zum Markt Cai Rang, dem größten schwimmenden Markt im Mekong-Delta. Wer bis dahin noch keine Souvenirs für die Daheimgebliebenen gekauft hat, dem bieten sich hier sicher nochmals zahlreiche Gelegenheiten. Die sollten Sie unbedingt nutzen, denn am nächsten Tag heißt es Abschiednehmen von Vietnam.. Nach zehn aufregenden und erlebnisreichen Tagen müssen Sie nun die Heimreise antreten.

Wieder zu Hause angekommen, werden sicher auch Sie davon überzeugt sein, dass diese Reise mit Thomas Billhardt alles andere als ein normaler Urlaub war. Unvergesslich - und natürlich viel zu kurz!