Fromme Opfer und gläubige Täter

Eine Wanderausstellung informiert über evangelische Christen im KZ Sachsenhausen

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Ostern 1938 feierte Pfarrer Kurt Scharf im Zellenbau des KZ Sachsenhausen mit dem dort inhaftierten Theologen Martin Niemöller das Abendmahl. KZ-Kommandant Hans Helwig schaute dabei zu. »Als ich die Liturgie begann, nahm der Kommandant sein Käppi ab und Gebetshaltung ein«, erinnerte sich Kurt Scharf später. Er verlas einen Psalm, in dem Gott gebeten wird: »Erlöse mich um meiner Feinde willen!«

Das Ereignis war ungewöhnlich, unerhört. Als Kommandant Helwig kurz darauf entlassen wurde, machte im Lager das Gerücht die Runde, es sei wegen der Abendmahlsfeier. Dabei hatte SS-Reichsführer Heinrich Himmler bereits Wochen zuvor entschieden, Helwig abzulösen, weil er ihn für unfähig hielt. Himmler ermunterte seine SS-Männer, aus der Kirche auszutreten. Doch Helwig, der sogar einem evangelischen Gemeindekirchenrat angehörte, entschloss sich dazu erst 1942. Damit war er eine Ausnahme. Nicht viele andere SS-Männer blieben ihrer ursprünglichen...


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