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Signa hält an Kaufhausabriss fest

Mit »sehr viel Geduld« will Immobilienentwickler René Benko seine Ziele am Hermannplatz durchsetzen

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.
Das 1929 fertiggestellte ursprüngliche Karstadt-Gebäude war ein wahrer Koloss.
Das 1929 fertiggestellte ursprüngliche Karstadt-Gebäude war ein wahrer Koloss.

»Wir werden am Berliner Hermannplatz etwas Schönes bauen und nicht die alte Immobilie so stehen lassen, wie sie ist«, stellt René Benko am Montagmorgen beim wirtschaftspolitischen Frühstück der Industrie- und Handelskammer (IHK) klar. Seine Signa-Holding will das Karstadt-Warenhaus am Schnittpunkt von Kreuzberg und Neukölln abreißen und zumindest äußerlich eine Replik des historischen Warenhauses aus den 1920er Jahren entstehen lassen. Neben der ikonischen Architektur dürfte für den Immobilienentwickler vor allem die um 15 Prozent größere Geschossfläche von dann 100 000 Quadratmetern von Interesse sein.

»Wir gehen das mit sehr viel Geduld an, weil wir nur Dinge verfolgen, von denen wir glauben, dass sie nachhaltig und sinnstiftend sind«, erklärt Benko. »Wir können auch zehn Jahre etwas liegen lassen«, sagt er. Das bringe seinen Konzern nicht in finanzielle Schwierigkeiten. Auf den Hermannplatz möchte er diese Aussage aber nicht bezogen wissen.

Die Widerstände gegen die Pläne vor Ort sind enorm. Nicht nur Bürgerinitiativen gegen den geplanten Neubau fürchten eine weitere Aufwertung der Gegend und damit eine Verdrängung der Bevölkerung und kleiner Gewerbetreibender. Bei LINKE und Grünen werden die Sorgen geteilt.

»Wir haben weiterhin große Bedenken, ob ein Projekt dieser Dimension an diesem Standort verträglich ist. Es sind viele Fragen weiter offen«, sagt der Vorsitzende der Friedrichshain-Kreuzberger Grünenfraktion, Julian Schwarze, zu »nd«.

»Denkbar ist es, unter Anwendung der Leitlinien des Senats für Bürgerbeteiligung, gemeinsam mit unabhängigen Expertinnen, der Nachbarschaft und der Signa die wichtigen Fragen zum Kaufhauskomplex zu erörtern, um herauszubekommen, welche Entwicklung anzustreben ist«, zeigt sich der Friedrichshain-Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) nach seiner ursprünglichen rigorosen Ablehnung gegenüber »nd« inzwischen etwas offener.

»Es gibt bei uns überhaupt keine Dialogbereitschaft, wenn es darum geht, alles abzureißen und niederzumähen«, sagt Gaby Gottwald, Kreuzberger Mitglied der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus. Schon die langen Bauarbeiten - angesetzt sind fünf Jahre - würden aus dem »sowieso prekären Viertel eine Notstandslage« machen, ist sie überzeugt.

Signa bearbeitet die Gegner mit Gesprächsangeboten. Über die PR-Agentur des einstigen Bundesaußenministers Joschka Fischer (Grüne) luden sich Vertreter des Immobilienkonzerns im Oktober auf eine Sitzung des Ortsverbandes Kreuzberg der Linkspartei ein. Auch Mitgliedern der Grünenfraktion im Bezirk wurde persönlich das Konzept erläutert.

Benko spricht bei der IHK auch über seine Anfänge als Immobilienunternehmer. »Es war relativ einfach, den Familien für kleines Geld nur den Dachboden ihrer Häuser abzukaufen«, berichtet er. Die Flächen baute er zu Luxuswohnungen aus. »Das hatte vor 20 Jahren in Österreich keiner verstanden, dass das eigentlich der teuerste Wohnraum ist«, sagt der 42-Jährige. Fast 30 Milliarden Euro habe die Signa in den vergangenen 20 Jahren in Immobilien investiert, so Benko. »Wir haben dabei erst zweimal Geld verloren.«

»Wir realisieren dort definitiv ein gemischt genutztes Projekt, und Karstadt wird auch bleiben«, bekräftigt er sein Vorhaben am Hermannplatz. »Mein Ziel ist es als Familienunternehmer erster Generation, die Immobilie langfristig zu behalten.«

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