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Protest gegen Ölförderpläne im Wattenmeer

Naturschützer: Schutzstatus wird untergraben

  • Von Dieter Hanisch
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Bohr- und Förderinsel «Mittelplate» in der Nordsee vor der Küste bei Büsum.
Die Bohr- und Förderinsel «Mittelplate» in der Nordsee vor der Küste bei Büsum.

Der Erdölförderkonzern Wintershall Dea will den Schutzstatus des Naturparks Wattenmeer buchstäblich untergraben und eine neue Quelle des fossilen Rohstoffs anzapfen. Ein entsprechender Antrag stößt bei Naturschützern genauso auf Widerstand wie beim Umweltministerium von Schleswig-Holstein. Zuständige Genehmigungsbehörde ist das Bergamt in Clausthal-Zellerfeld.

Sieben Kilometer von der schleswig-holsteinischen Küste entfernt bohrt der Fördermulti in der Nordsee bereits von der Plattform Mittelplate, für die bereits im Jahr 2010 von der damaligen CDU/FDP-Landesregierung trotz schärfster Proteste von Umweltverbänden eine Bestandsgarantie bis 2041 erteilt wurde. Nun geht es um eine Lagerstätte, die minimal außerhalb des bisherigen Genehmigungsgebiets liegt. Während die Grünen mit Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht an der Spitze das Vorhaben kategorisch ablehnen, spielt der Energiekonzern die Gefahren seines Vorhabens verharmlosend herunter. Da die horizontal von Mittelplate aus erfolgende Bohrung in 2000 bis 3000 Metern Tiefe stattfinde, werde die Wattenmeer-Oberfläche in keiner Weise tangiert, heißt es vom Unternehmenssprecher, der gleichzeitig die Zuverlässigkeit seines Arbeitgebers herausstellt, da seit der ersten Mittelplate-Bohrung vor 32 Jahren kein Tropfen Öl ins Wattenmeer gelangt sei.

In der schleswig-holsteinischen CDU und FDP zeigt man sich gelassen, weil man weiß, dass das Thema trotz inhaltlicher Differenzen zu keinem parteipolitischen Jamaika-Koalitionskrach mit den Grünen führen wird, denn alle Beteiligten müssen am Ende sowieso die behördliche Entscheidung akzeptieren. Und die CDU weist darauf hin: Steigt die Fördermenge bei Wintershall Dea, füllt sich auch die Landeskasse von Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) wegen der zu leistenden Förderzinsabgabe des Energiekonzerns. Im vergangenen Jahr kamen da 72 Millionen Euro zusammen.

Patrick Breyer, Kieler Europaabgeordneter der Piratenpartei, hält die erstmals im Umweltausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags zur Sprache gekommenen Pläne für »hochriskant und klimaschädlich«. Er zweifelt zudem an der Sicherheitsphilosophie des Erdölförderkonzerns Wintershall Dea. Der hat im niedersächsischen Emlichheim (Grafschaft Bentheim) einen Umweltskandal zu verantworten. Im Juli wurde entdeckt, dass dort durch eine Leckage in einem Erdölbohrloch wohl schon seit Jahren über 200 Millionen Liter kontaminiertes Lagerstättenwasser ins Grundwasser gelangt ist. Der Grund ist eine über 60 Meter lange Korrosion an einem Rohr. Die Bohrstelle wurde im Oktober stillgelegt.

Laut Wintershall Dea hat man bereits über 35 Millionen Tonnen Öl aus dem Feld Mittelplate gewonnen. Weitere 15 Millionen Tonnen gelten zudem noch als technisch und wirtschaftlich gewinnbar. Das Wattenmeer trägt seit 2009 den Weltnaturerbetitel.

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