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Mobbing in München

Ende einer von Beginn an gestörten Beziehung: FC Bayern trennt sich von Trainer Niko Kovac

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Für Chefcoach Niko Kovac (l.) übernimmt vorerst der im Sommer verpflichtete Co-Trainer Hansi Flick die Münchner Mannschaft.
Für Chefcoach Niko Kovac (l.) übernimmt vorerst der im Sommer verpflichtete Co-Trainer Hansi Flick die Münchner Mannschaft.

Nicht mal mehr eine Entlassung bekommen sie beim FC Bayern souverän hin. Am Sonntagabend wurde Niko Kovac als Trainer der Münchner Bundesligafußballer freigestellt. Um das zu verkünden, brauchte der Klub drei Pressemitteilungen. Von der ersten bis zur dritten Variante vergingen 32 Minuten. In der ersten Fassung kam Kovac selbst noch nicht zu Wort. Die letztendliche Version unterscheidet sich von der zweiten nur in der Überschrift. Offiziell heißt es seitdem: »FC Bayern und Niko Kovac trennen sich.«

Dieses Ende überrascht nicht, schon im Herbst 2018 war es ein Thema. Eigentlich wurde fast immer darüber diskutiert - denn die Beziehung war von Beginn an gestört. Das lag weniger am ehrgeizigen Kovac. Sicherlich hat er Fehler gemacht, aber er war stets bereit, alles zu geben. »Ich habe im letzten Jahr nicht aufgegeben und werde auch jetzt nicht aufgeben«, hatte er nach dem 1:5-Debakel am Sonnabend bei Eintracht Frankfurt gesagt. Einen Tag später wird er in der zweiten und dritten Pressemitteilung zu seiner Entlassung wie folgt zitiert: »Ich denke, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung für den Klub ist.« Das wundert schon. Folgender Satz ebenso: »Kovac hatte dem FC Bayern München seinen Rücktritt als Trainer angeboten.« Der »Focus« will erfahren haben, dass diese Worte, die in allen drei vorliegenden Pressemitteilungen zu finden sind, in der Ursprungserklärung »noch nicht zu lesen« waren.

Im Frühjahr 2018 hatte der FC Bayern verkündet, dass Niko Kovac der neue Trainer in München sein werde. Ein Jahr später beklagte das Umfeld des 48-Jährigen »Mobbing«. Wieder einmal hatte der Klub dem Trainer in einer sportlich schwierigen Zeit öffentlich die Rückendeckung verweigert. Vor allem Karl-Heinz Rummenigge. Das wiederum verwundert nicht. Denn die Verpflichtung von Kovac war in München maximal ein Plan C - und der Vorstandsvorsitzende immer ein Gegner des Kroaten. Und so ist der Trainer auch zum Opfer eines Machtkampfes im Verein geworden.

Dafür können ebenso die drei Pressemitteilungen als Beleg angesehen werden. Während Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic zitiert werden, wird Uli Hoeneß lediglich namentlich als Teil der Entscheidung genannt. Der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende hatte immerhin mal gesagt, Kovac als Trainer »bis aufs Blut« verteidigen zu wollen. Auch er tat es nicht immer. Zuletzt forderte er vor dem Spiel in der Champions League bei Olympiakos Piräus öffentlich sogar die Aufstellung von Javier Martinez.

Dass der Trainer das schwächste Glied ist, ist keine Floskel. Natürlich wird bei Misserfolgen nicht die Mannschaft entlassen. Noch viel stärker sind die Fußballer aber geworden, seitdem ihre eigenen Manager auch die sozialen Medien nutzen, um Stellen- und Marktwert zu erhöhen. In München sieht sich eh fast jeder Spieler als Star. Zur Unzufriedenheit gesellt sich dann dort nicht selten ein verletztes Ego, weil auch der FC Bayern ja nur elf Fußballer aufstellen darf. Wenn dann der Trainer nicht mal im eigenen Verein geschützt wird, ist er verloren. Er muss als Alibi für eigene, teilweise lustlose oder einfach schlechte Auftritte herhalten. Und er kann, wie auch in München geschehen, von den Spielern für Misserfolge verantwortlich gemacht werden.

Auch an dieser Eigendynamik ist Niko Kovac gescheitert. Neben teilweise berechtigter Kritik an seinem wenig flexiblen und zu defensiven Stil führten aber noch andere sportliche Gründe zu seinem Aus. Die wiederum hat der Verein zu verantworten. Dass man als Trainer beim FC Bayern meist nicht die Spieler bekommt, die man selbst will, sondern die, die der Klub als beste Lösung sieht, ist das eine. Hinzu kommt, dass Kovac in seiner ersten Saison einen Umbruch managen sollte - dabei aber Vereinslegenden wie Franck Ribery oder Arjen Robben dennoch die Seele streicheln musste. Jetzt, nachdem der Verein zwar nicht die groß angekündigten Stars, aber immerhin etliche neue Spieler verpflichtet hat, wurde ihm keine Zeit gegeben, den Umbruch wirklich zu gestalten.

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