Ganz in Gedanken unterwegs mit Mr. Spock

Emanuel Lasker Gesellschaft stellt in Berlin historische Reiseschachspiele aus

Die schönsten Wochen des Jahres sind für viele Menschen die Zeit, in der sie endlich einmal Muße finden für das Spiel der Spiele. Dazu zeigt die Emanuel Lasker Gesellschaft in Berlin noch bis zum 31. August 2007 die Ausstellung »Spielend reisen - Reiseschachspiele vom 18. Jahrhundert bis heute«. Mit der Kuratorin SUSANNA POLDAUF sprach ND-Autor RENÉ GRALLA.

ND: Wenn Leute verreisen - warum sollen die unterwegs eigentlich Schach spielen?
POLDAUF: Mit jemandem zu spielen, das ist eine Form der Kommunikation. Schach ist ein Partnerspiel, und da ist es doch sehr schön, gemeinsam mal wieder ein Brettspiel in die Hand zu nehmen.

Schach auf Reisen - wie weit in die Vergangenheit reichen die Anfänge zurück?
Schach ist von Reisenden, seien es Händler oder Pilger, aus dem Orient nach Europa gebracht worden. Erste Funde stammen aus dem 8. und 9. Jahrhundert nach Christus, und schon diese Spiele waren so gearbeitet, dass sie leicht transportiert werden konnten. Deswegen kann die Abgrenzung zu ausgesprochenen Reisespielen im Grunde gar nicht eindeutig vorgenommen werden. Das arabische Shatranj, aus dem sich das moderne Schach entwickelt hat, wurde nämlich auf einem textilen Spielplan ausgetragen. War eine Partie zu Ende und nahte der Aufbruch, wurden die Figuren einfach eingewickelt und im Gepäck verstaut.

Warum beginnt Ihre Aussstellung dann erst mit Exponaten aus dem 18. Jahrhundert?
Aus dieser Epoche stammen Spiele, die eindeutig als Reiseschach ausgewiesen sind. Eine Besonderheit ist ein mit Sand gefülltes Kissen, das ein Schachbrettmuster trägt. Die Elfenbeinfiguren sind nach unten verlängert mit kleinen Nadeln, die können dann in das Kissen gespießt werden. Das ist eine französische Arbeit aus Dieppe an der Kanalküste.

Wann sind die bekannten Sets entstanden, die aus einer aufklappbaren kleinen Kiste bestehen? Und drinnen ist ein Minibrett mit vorgebohrten Löchern für die Steckfiguren.
Die ersten Exemplare wurden ebenfalls bereits im 18. Jahrhundert hergestellt. Jüngeren Datums ist das »Railway«-Chess, das im 19. Jahrhundert auf englischen Bahnhöfen verkauft worden ist. Hier wurden die Figuren durch einen speziellen Mechanismus arretiert. Der Reisende konnte den Kasten in jeder beliebigen Position zusammenklappen und nach dem Umsteigen im Anschlusszug gleich weiterspielen, ohne die Abbruchstellung neu aufbauen zu müssen.

Auf die Stecksets folgten die Magnetspiele ...
... die sind typisch für das 20. Jahrhundert. Beliebt waren da Produkte aus der ehemaligen Sowjetunion, weil deren magnetische Wirkung stark genug war, um die Steine auf dem Brett festzuhalten.

Inzwischen allerdings sind Reiseschachspiele fast wieder verschwunden.
Die sind weitestgehend verdrängt worden von Laptops und tragbaren Spielkonsolen.

Wie sieht die Zukunft des Reiseschachs aus?
Da zeigen wir eine Replik des dreidimensionalen Star Trek-Chess aus dem Raumschiff Enterprise. Wer in das Weltall aufbricht, kann diese Schachvariante mitnehmen, die, wie Mr. Spock demonstriert hat, auf sieben Ebenen ausgetragen wird.

Sie sind Kulturwissenschaftlerin und beschäftigen sich mit Schach. Wie hat das angefangen?
Meine Magisterarbeit über den französischen Schachspieler und Komponisten Francois André Danican Philidor, der von 1726 bis 1795 lebte, habe ich erweitert zu einem Buch, das 2001 erschienen ist. Im selben Jahr wurde in Berlin die Emanuel Lasker Gesellschaft gegründet, und deren Vorsitzender Paul Werner Wagner nahm mit mir Kontakt auf. Seitdem bin ich Kuratorin und organisiere Ausstellungen und Veranstaltungen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August 2007 geöffnet. Sie befindet sich am Leuschnerdamm 31 in Berlin; Telefonische Anmeldung unter (030) 61 68 41 30.ND: Wenn Leute verreisen - warum sollen die unterwegs eigentlich Schach spielen?
POLDAUF: Mit jemandem zu spielen, das ist eine Form der Kommunikation. Schach ist ein Partnerspiel, und da ist es doch sehr schön, gemeinsam mal wieder ein Brettspiel in die Hand zu nehmen.

Schach auf Reisen - wie weit in die Vergangenheit reichen die Anfänge zurück?
Schach ist von Reisenden, seien es Händler oder Pilger, aus dem Orient nach Europa gebracht worden. Erste Funde stammen aus dem 8. und 9. Jahrhundert nach Christus, und schon diese Spiele waren so gearbeitet, dass sie leicht transportiert werden konnten. Deswegen kann die Abgrenzung zu ausgesprochenen Reisespielen im Grunde gar nicht eindeutig vorgenommen werden. Das arabische Shatranj, aus dem sich das moderne Schach entwickelt hat, wurde nämlich auf einem textilen Spielplan ausgetragen. War eine Partie zu Ende und nahte der Aufbruch, wurden die Figuren einfach eingewickelt und im Gepäck verstaut.

Warum beginnt Ihre Aussstellung dann erst mit Exponaten aus dem 18. Jahrhundert?
Aus dieser Epoche stammen Spiele, die eindeutig als Reiseschach ausgewiesen sind. Eine Besonderheit ist ein mit Sand gefülltes Kissen, das ein Schachbrettmuster trägt. Die Elfenbeinfiguren sind nach unten verlängert mit kleinen Nadeln, die können dann in das Kissen gespießt werden. Das ist eine französische Arbeit aus Dieppe an der Kanalküste.

Wann sind die bekannten Sets entstanden, die aus einer aufklappbaren kleinen Kiste bestehen? Und drinnen ist ein Minibrett mit vorgebohrten Löchern für die Steckfiguren.
Die ersten Exemplare wurden ebenfalls bereits im 18. Jahrhundert hergestellt. Jüngeren Datums ist das »Railway«-Chess, das im 19. Jahrhundert auf englischen Bahnhöfen verkauft worden ist. Hier wurden die Figuren durch einen speziellen Mechanismus arretiert. Der Reisende konnte den Kasten in jeder beliebigen Position zusammenklappen und nach dem Umsteigen im Anschlusszug gleich weiterspielen, ohne die Abbruchstellung neu aufbauen zu müssen.

Auf die Stecksets folgten die Magnetspiele ...
... die sind typisch für das 20. Jahrhundert. Beliebt waren da Produkte aus der ehemaligen Sowjetunion, weil deren magnetische Wirkung stark genug war, um die Steine auf dem Brett festzuhalten.

Inzwischen allerdings sind Reiseschachspiele fast wieder verschwunden.
Die sind weitestgehend verdrängt worden von Laptops und tragbaren Spielkonsolen.

Wie sieht die Zukunft des Reiseschachs aus?
Da zeigen wir eine Replik des dreidimensionalen Star Trek-Chess aus dem Raumschiff Enterprise. Wer in das Weltall aufbricht, kann diese Schachvariante mitnehmen, die, wie Mr. Spock demonstriert hat, auf sieben Ebenen ausgetragen wird.

Sie sind Kulturwissenschaftlerin und beschäftigen sich mit Schach. Wie hat das angefangen?
Meine Magisterarbeit über den französischen Schachspieler und Komponisten Francois André Danican Philidor, der von 1726 bis 1795 lebte, habe ich erweitert zu einem Buch, das 2001 erschienen ist. Im selben Jahr wurde in Berlin die Emanuel Lasker Gesellschaft gegründet, und deren Vorsitzender Paul Werner Wagner nahm mit mir Kontakt auf. Seitdem bin ich Kuratorin und organisiere Ausstellungen und Veranstaltungen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August 2007 geöffnet. Sie befindet sich am Leuschnerdamm 31 in Berlin; Telefonische Anmeldung unter (030) 61 68 41 30.

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