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Zehntausende Chilenen protestieren gegen Regierungspolitik

Zentrale Forderungen sind der Rücktritt des Präsidenten und eine neue Verfassung

  • Lesedauer: 3 Min.

Santiago de Chile. Zehntausende Menschen haben in Chiles Hauptstadt Santiago de Chile erneut gegen die Politik der Regierung demonstriert. Drei Wochen nach dem Beginn der Proteste in dem südamerikanischen Land zog am Freitagabend ein großer Demonstrationszug mit etwa 75.000 Teilnehmern zum Plaza Italia, der auf einer riesigen Leinwand in »Platz der Würde« umbenannt wurde. Die Teilnehmer trugen chilenische Fahnen und Transparente mit Parolen gegen den konservativen Präsidenten Sebastián Piñera. Als der Protestzug am Präsidentenpalast vorbeizog, forderten die Demonstranten den Rücktritt des Präsidenten. Am Samstag gingen erneut 10.000 Menschen auf die Straßen.

Laut einem Bericht der Zeitung »La Tercera« war es die zweitgrößte Demonstration bei den seit Wochen andauernden Protesten. Vermummte stürmten unterdessen ein historisches Gebäude der Universität Pedro de Valdivia und steckten es in Brand. Daneben plünderten gewalttätige Demonstranten eine Kirche und errichteten Barrikaden aus dem Mobiliar.

Lesen Sie hier: Für einen Neuanfang in Chile. Friederike Winterstein begrüßt, dass das neoliberale System in Frage gestellt wird.

Zu der Demonstration wurde in sozialen Netzwerken aufgerufen, nachdem Piñera am Donnerstag in einer Rede neue Sicherheitsmaßnahmen ankündigte. Er versuchte, die Krise im Land als Problem der öffentlichen Ordnung darzustellen, ging aber nicht auf die Forderungen der Demonstranten ein. Diese fordern insbesondere eine Renten- und Verfassungsreform sowie tiefgreifende Reformen des ultraliberalen Wirtschaftssystems in Chile. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichten zahlreiche Nutzer und Medien Videos, die zeigen, wie Polizei und Militärkräfte auf Demonstranten schießen und gewalttätig gegen diese vorgehen. Der Abgeordnete der Linkspartei Michel Brandt kritisierte die Polizeigewalt und gab via Twitter bekannt, die LINKE unterstütze die Forderung der Kommunistischen Partei Chiles, eine neue Verfassung unter Einbezug der Bevölkerung auszuarbeiten.

Demonstrationen fanden Medienberichten zufolge auch in anderen Städten des Landes statt. In Vina del Mar in der Nähe von Valparaiso kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Lange galt Chile als Hort der Stabilität in Südamerika. Allerdings gibt es im reichsten Land der Region hohe Einkommensunterschiede. Vor allem Bildung und Gesundheitsversorgung sind sehr teuer. Die heftigen Proteste entzündeten sich letztendlich an einer geringfügigen Erhöhung der Metro-Preise. Viele der Demonstranten fordern nun aber auch eine Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftsmodell und eine grundlegende Reform der Verfassung, die noch aus der Zeit der Militärdiktatur von Augusto Pinochet stammt. Wegen der massiven Proteste sagte die Regierung den Asien-Pazifik-Gipfel und die Weltklimakonferenz ab. Agenturen/nd

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