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Berlin hat die meisten Quereinsteiger

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.

In Berlin gibt es so viele Seiten- und Quereinsteiger in den Lehrerberuf wie in keinem anderen Bundesland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage, die am Dienstag in der in Düsseldorf erscheinenden »Rheinischen Post« veröffentlicht wurde. So lag der Anteil der Lehrkräfte in Berlin, die ursprünglich mal einen anderen Job gelernt haben, zum Start des Schuljahres 2019/2020 bei 61 Prozent. In ganzen Zahlen bedeutet das: Von den 2734 Lehrern, die zum laufenden Schuljahr ihren Schuldienst angetreten haben, waren nur 1085 regulär ausgebildete Pädagogen.

Bundesweit lag der Anteil der Lehrer ohne klassischen Ausbildungsweg bei durchschnittlich 16 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern liegt die Quote der Seiten- und Quereinsteiger bei rund 30 Prozent, in westdeutschen Flächenländern zwischen zehn und zwölf Prozent. Am besten schneidet bei der Länder-Abfrage Rheinland-Pfalz ab. Dort lag die Quote der Lehrer über Umwege bei nur vier Prozent.

Der Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, spricht angesichts der Zahlen von einem Versagen der Politik. »Dass wir einen derart eklatanten Mangel an ausgebildeten Lehrkräften haben, liegt an der verfehlten Bildungspolitik der vergangenen 20 Jahre«, sagt Erdmann dem »nd«. So habe der Sparzwang des rot-roten Senats Anfang der 2000er Jahre zu einem dramatischen Wegfall von Ausbildungsbildungskapazitäten an den Hochschulen geführt. »Und genau diese Kürzungen rächen sich jetzt«, sagte Erdmann.

Dass Berlin bundesweit die mit Abstand höchste Zahl an Seiten- und Quereinsteiger vorweise, habe in erster Linie mit dem starken Bevölkerungswachstum in der Hauptstadt zu tun, wie der Gewerkschafter erläuterte. »Die Statistiken zum Wachstum der Stadtbevölkerung liegen seit Jahren vor, der Mangel an Lehrkräften war also durchaus vorhersehbar«, sagte Erdmann.

Die Definition, wer als Seiten- und Quereinsteiger gilt, sind in den Bundesländern verschieden. In Bayern gilt etwa auch ein Gymnasiallehrer an einer Grundschule als Seiteneinsteiger. Die Berliner Statistik erfasst diese jedoch als vollwertige Lehrkraft.

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