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Tesla will in Brandenburg bauen

Fabrik des US-Elektroautobauers soll mit bis zu 10.000 Arbeitsplätzen in der Gemeinde Grünheide entstehen

  • Lesedauer: 3 Min.
Die Tesla-Fabrik bei Shanghai
Die Tesla-Fabrik bei Shanghai

Berlin. Der US-Elektroautobauer Tesla plant die Errichtung einer neuen Großfabrik im Umland von Berlin. Das kündigte Unternehmenschef Elon Musk am Dienstagabend in Berlin an. Die Fabrik solle in der Nähe des neuen Hauptstadtflughafens BER entstehen. Zudem sei in Berlin ein Ingenieur- und Designzentrum geplant. Laut Medienberichten sollen rund 10.000 Arbeitsplätze entstehen.

Musk äußerte sich bei der Preisverleihung zum »Goldenen Lenkrad« von »Bild am Sonntag« und »Auto Bild«. Zur Begründung für die Standortwahl gab der Milliardär dabei unter anderem die außergewöhnliche Qualität deutscher Ingenieurskunst an. Im Internet-Kurzbotschaftendienst Twitter nannte er später einige Details: Die neue Fabrik soll demnach unter anderem Batterien für die Elektroautos sowie auch ganze Fahrzeuge bauen - »angefangen mit dem Modell Y«. Dabei handelt es sich um den künftigen Kompakt-SUV von Tesla.

Genaue Angaben zum Standort machte der Tesla-Chef nicht. Nach Informationen des Berliner »Tagesspiegel« soll die neue Fabrik auf einer Industriefläche im brandenburgischen Grünheide im Landkreis Oder-Spree südöstlich von Berlin entstehen. Diese sei bereits einmal im Rennen für die Ansiedlung eines BMW-Werkes gewesen.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einer »hervorragenden Nachricht für unser Land«. Brandenburg habe sich bereits »seit längerem in intensiven Gesprächen« dafür eingesetzt, den Zuschlag für den Standort zu erhalten. »Die Giga-Fabrik wird Brandenburg als innovativen und internationalen Standort einen weiteren Schub und sehr vielen Menschen gute Arbeit geben«, freute sich Woidke.

Nach Informationen der »Bild«-Zeitung hatte sich schon in den vergangenen Tagen angedeutet, dass Deutschland relativ weit vorn im Rennen um den Standort der neuen »Gigafactory« sei. Berlin oder Brandenburg habe aber kaum jemand auf der Liste gehabt. Vielmehr hätten Niedersachsen und NRW lange als Favoriten gegolten, die nun leer ausgehen.

Tesla hatte schon seit längerem nach einem Standort für eine neue Fabrik für die Herstellung von Batterien und Fahrzeugen in Europa gesucht. Obwohl auch andere Länder Interesse zeigten, hatte Musk zuvor bereits gesagt, dass Deutschland gute Chancen habe.

Tesla besitzt Schätzungen zufolge einen Anteil von 30 Prozent am europäischen Markt für Elektroautos. Die »Gigafactory« in Berlin wird das vierte derartige Werk des Unternehmens nach denen im US-Bundesstaat Nevada, in New York und in Shanghai sein. Für die Fabrik in der chinesischen Metropole hatte Tesla erst im vergangenen Monat den Start der Produktion auf Versuchsbasis bekanntgegeben. Das dortige Werk wurde nach Unternehmensangaben in nur zehn Monaten gebaut und soll einmal eine jährliche Kapazität von 500.000 Autos erreichen.

Tesla kaufte bereits deutschen Maschinenbauer

Die Ansiedlung der Fabrik in Deutschland hat auch symbolische Kraft. Tesla wagt sich ins Heimatland der deutschen Premium-Autobauer, die oft um die selben Käufer-Schichten kämpfen - so kommt das Model 3 als direkter Gegenspieler von BMWs 3er-Reihe daher. Die Deutschen sind gerade auch dabei, ein breiteres Angebot an Elektro-Fahrzeugen auf die Beine zu stellen. Tesla kaufte vor drei Jahren den deutschen Maschinenbauer Grohmann, der auf Fertigungslinien spezialisiert ist.

»Für den Autostandort Deutschland ist Musk Ankündigung eine gute Nachricht«, kommentierte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. »Mit der Entscheidung von Elon Musk für Deutschland werden wir gestärkt und die Elektromobilität nimmt mehr Fahrt auf als bei 100 Kanzlergipfeln in Berlin.« Zugleich zweifelte Dudenhöffer an, ob die Produktion schon 2021 beginnt - Musk müsse mit den Finanzen haushalten und China habe für ihn Vorrang.

Tesla ist ein Vorreiter bei der Elektromobilität, kämpfte aber angesichts teurer und verzögerter Produktions-Anläufe bei neuen Modellen immer wieder mit hohen Verlusten. Zugleich wird praktisch nach jeden Quartalszahlen der Firma diskutiert, ob die Nachfrage nach Elektroautos generell stark genug ist, um Musks ambitionierte Wachstumspläne zu tragen. Auch zeichnet sich wachsende Konkurrenz aus China ab, wo Elektrofahrzeuge massiv vom Staat gefördert werden. Agenturen/nd

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