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Der Globale Süden zahlt die Rechnung

Die Klimakrise ist nicht nur ein Umweltproblem, meint Elena Balthesen. Sondern verursacht auch soziale Probleme.

  • Von Elena Balthesen
  • Lesedauer: 4 Min.
Klimakrise: Der Globale Süden zahlt die Rechnung

Wir haben viele Slogans auf unseren Klimastreiks. »Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut« natürlich, aber auch »Hopp, hopp, hopp - Kohle stopp!«. Lieber mag ich einen anderen: »What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!« Wir wollen Klimagerechtigkeit - und zwar jetzt. Der Slogan erinnert daran, dass die Klimakrise nicht einfach irgendein Umweltproblem ist oder gar eine Naturkatastrophe. Der Eisbär ist ein schlechtes Symbol für das Problem. Die Klimakrise ist politisch.

Mir ist die Reichweite der Klimagerechtigkeit erst nach und nach bewusst geworden. Oder besser gesagt: Sie wird mir immer noch bewusst. Vor einem Jahr hätte ich aus dem Bauch heraus vielleicht schon gesagt: Klar, Klimaschutz muss gerecht gestaltet werden. Doch wie sollte man so einer allgemeinen Aussage nicht zustimmen?

Klimagerechtigkeit, das kann vieles bedeuten. Natürlich auf der einen Seite, dass wir die Gesetze, die Klimaschutz garantieren sollen, sozialverträglich gestalten müssen. Nur als Beispiel: Strom ist ein Grundbedürfnis, also müssen wir durch gute Sozialpolitik sicherstellen, dass jede*r ihn sich leisten kann. Wenn Arbeitsplätze wegbrechen, muss dafür gesorgt werden, dass die Betroffenen eine neue Perspektive für ihr Leben bekommen. Die Liste könnte man lange fortführen.

Elena Balthesen, geboren 2001, besucht eine Waldorf-Schule in München. Sie ist bei »Fridays for Future« aktiv.
Elena Balthesen, geboren 2001, besucht eine Waldorf-Schule in München. Sie ist bei »Fridays for Future« aktiv.

Aber Klimagerechtigkeit hört nicht an den Landesgrenzen auf. Aus meiner Sicht wird darüber in Deutschland jedoch nicht besonders viel geredet. Die Lebensgrundlage von Millionen Menschen ist bedroht, ein weiterer Temperaturanstieg führt zu mehr Armut, mehr Flucht - und zwar vor allem auf der südlichen Hälfte der Welt, die im Vergleich zu den Industriestaaten kaum etwas zur Klimakrise beigetragen hat. Wir auf der Nordhalbkugel sind hauptsächlich für die Klimakrise verantwortlich. Wir sind aufgrund unserer geografischen Lage und unserem Reichtum nicht gut, aber viel besser dran als Menschen im Globalen Süden. Das ist ungerecht.

Klimagerechtigkeit ist ein Ansatz, darauf zu reagieren. Das kann zum Beispiel heißen, dass reiche Länder für Schäden in armen Ländern aufkommen oder sie mit Wissen, Technologien und Geld dabei unterstützen, sich an die Klimakrise anzupassen. Wir müssen uns auf Konflikte, vielleicht sogar Kriege, um knapper werdende Ressourcen, vorbereiten. Und darauf, dass sich wegen solcher Krisen noch viel mehr Menschen flüchten müssen.

Klimaschutz und Menschrechte gehören zusammen. Viele Menschen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzten, stehen auch für Menschenrechte zum Beispiel bei der Seenotrettung ein. Der derzeitige Aufstieg der politischen Rechten ist deshalb umso gefährlicher. Vor allem müssen die Industrieländer dafür sorgen, dass sie weniger Treibhausgase ausstoßen.

Die ökologischen und sozialen Probleme, die die Klimakrise verursacht, sind nicht überall die gleichen. Aber sie haben vor allem Auswirkungen auf marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Naturkatastrophen treffen statistisch gesehen zum Beispiel Frauen stärker als Männer, weil sie nicht so gut an Warnsysteme angeschlossen sind oder sich an ungeschützten Orten aufhalten. Nebenbei bemerkt haben Frauen durchschnittlich den geringeren CO2-Fußabdruck. Besonders betroffen sind ebenfalls People of Colour, LGBTQ* und arme Menschen. Ich finde, dass sich die Klimabewegung deshalb eng mit den Emanzipationsbewegungen dieser Gruppen zusammenarbeiten sollte.

Bei Fridays for Future versuchen wir, in jeder Hinsicht basisdemokratisch und diskriminierungsfrei zu arbeiten. Eine besondere Priorität hat bei uns Geschlechtergerechtigkeit: Die meisten von uns nutzen gendergerechte Sprache. Bei wichtigen Aufgaben gibt es eine Quote. Bei den Plena wird auf Ausgewogenheit auf den Redelisten geachtet. Auch sonst versuchen wir, möglichst inklusiv zu sein und Hierarchien flach zu halten. Als ich in der Klimabewegung aktiv wurde, war ich überrascht, wie hoch diese und andere Werte hier gehalten werden. Das hatte ich vorher noch nicht erlebt.

Das Wort Klimagerechtigkeit umfasst sowohl Klimaschutz als auch die politische Komponente des Problems - wir sollten es benutzen und danach leben. Das würde bedeuten: Global denken, solidarisch, feministisch, antirassistisch, offen und nachhaltig. Wenn wir damit anfangen, lässt sich die Klimakrise dann nicht automatisch viel einfacher bekämpfen?

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