Ein männlicher Südlicher Schweinsaffe vertilgt eine Ratte.
Palmöl

Makaken, Ratten und Ölpalmen-Plantagen

Affen als Kammerjäger - Chance für Landwirte und Natur.

Von Michael Lenz

Palmöl steckt von Fertigpizza über Kosmetika bis hin zu Waschmitteln in so ziemlich allem, was wir heute konsumieren. Zudem spielt der natürliche Rohstoff eine wichtige Rolle bei erneuerbaren Energien. Das landwirtschaftliche Produkt ist aber auch höchst umstritten, weil für Plantagen in den beiden führenden Palmölexportländern Urwälder abgeholzt werden. Damit verlieren viele Tiere ihren Lebensraum, und es wird massenweise klimaschädliches CO2 freigesetzt.

Im lauten Chor der Palmölkritiker geht unter, dass sowohl Plantagenbesitzer als auch Wissenschaftler an nachhaltigeren Produktionsmethoden für das Pflanzenfett arbeiten. So haben sich Nadine B. Ruppert von der Universität Sains Malaysia (UMS) und ihre Kollegen von der Universität Leipzig mit der Rolle der Südlichen Schweinsaffen (Macaca nemestrina) in der Ökologie von Ölpalmenplantagen befasst.

Für die Makakenart mit dem schweineartigen Schwanz sind die Früchte der Ölpalmen eine Delikatesse, und deshalb gelten sie unter den Plantagenbesitzern als Schädlinge. Ihre Vorliebe für Ölpalmenfrüchte teilen die Affen mit Ratten, die in großer Zahl die Plantagen auf Borneo und Sumatra bevölkern. Die Nager verursachen hohe Ernteverluste, die nach Expertenangaben allein in Malaysia dem jährlichen Verlust einer Anbaufläche von der doppelten Größe Luxemburgs entspricht.

Ruppert und Kollegen haben jetzt herausgefunden, dass der Südliche Schweinsaffe nicht nur die Palmenfrüchte schätzt, sondern auch großen Appetit auf Ratten hat und somit als natürlicher Fressfeind gegen die Nager eingesetzt werden könnte. Ihr Forschungsergebnis über Kosten und Nutzen der Primatenart in Palmölplantagen wurde unlängst in der Fachzeitschrift »Current Biology« (DOI: 10.1016/ j.cub.2019.09.011) veröffentlicht.

Für ihr Forschungsprojekt untersuchten die Wissenschaftler das Fressverhalten zweier Gruppen freilebender Südlicher Schweinsaffen in einer Ölpalmenplantage, die an das Naturschutzgebiet Segari Melintang Forest an der Westküste Malaysias grenzt. Das Resultat: der Verlust von Früchten der Ölpalmen durch die Makaken betrug nur ein Prozent, während die Ratten zehn Prozent der Früchte vertilgten. Zudem fraßen die Makaken aber etwa 3000 Ratten pro Jahr. Weiter stellte sich heraus, dass die Zahl der Ratten durch die regelmäßige Anwesenheit ihrer affigen Fressfeinde auf den Plantagen um gut 75 Prozent abnahm. In ihrer Kosten-Nutzen-Analyse kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass dank der Makaken eine Ertragssteigerung um sieben Prozent erzielt werden konnte, was etwa 100 Euro pro Hektar und Jahr entspricht.

Mit den Makaken als Rattenkiller könnten die Erträge der Plantagen als auch die Nachhaltigkeit der Palmölproduktion durch eine umweltfreundlichere Art der Schädlingsbekämpfung gesteigert, der Landverbrauch für Plantagen reduziert sowie die Makakenpopulationen und die Biodiversität geschützt werden, bilanzieren die Experten ihre Studie. »Wir wollen aber auf keinen Fall, dass die Affen auf den Plantagen benutzt oder gehalten werden. Wir plädieren für die Einrichtung von Wildtierkorridoren, damit der Lebensraum der Affen geschützt und sie auf natürliche Weise Zugang zu Plantagen enthalten«, betont UMS-Wissenschaftlerin Nadine Ruppert gegenüber dem »nd«.

Um diese Win-Win-Situation Realität werden zu lassen, muss die Palmölbranche mitziehen, und damit sieht es nicht schlecht aus. »Ich arbeite bereits mit einer großen privaten malaysischen Palmöl-Firma zusammen, die sich sehr für Nachhaltigkeit einsetzt«, freut sich Ruppert. »Wir werden im Dezember beginnen, auch auf deren Plantagen die Südlichen Schweinsaffen gezielter zu untersuchen.«