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Geschasst

Personalie: Alexander Doll

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

Seine Zeit bei der Bahn war kurz. Nach nicht einmal zwei Jahren verlässt Finanzvorstand Alexander Doll den staatseigenen Konzern wieder. Sein Abgang ist alles andere als freiwillig. Er ist das Ende eines Machtkampfes zwischen ihm und Bahn-Chef Richard Lutz sowie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Nachdem der CSU-Mann mit der Entlassung des gelernten Bankkaufmanns zunächst am Aufsichtsrat gescheitert war, hatte er nun Erfolg. Doll unterschrieb vergangenen Freitag seinen Auflösungsvertrag.

Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Zunächst stieg der 49-Jährige als Vorstand für Güterverkehr und Logistik bei der Bahn ein. »Die aktuellen Trends und Herausforderungen in der Transport- und Logistikindustrie sind ihm durch seine bisherige Tätigkeit bestens vertraut«, frohlockte der Konzern bei seiner Nominierung. Der Betriebswirt war von Barclays zum Konzern gekommen. Für die drittgrößte Bank Großbritanniens hatte er seit 2013 zunächst mit einem Kompagnon, ab 2015 allein deren Deutschlandgeschäft geleitet. In dieser Funktion hatte er auch schon engen Kontakt mit der Deutschen Bahn und beriet das Unternehmen bei so manchem Deal. Anfang 2019 wurde Doll dann auch noch Finanzvorstand der Bahn.

Zum Zerwürfnis mit Lutz und Scheuer kam es wegen des geplatzten Verkaufs der britischen Bahn-Tochter. Vier Milliarden Euro sollte der einbringen. Doch die Investoren waren nicht bereit, so viel zu zahlen, weil Arriva zu viele Schulden und Pensionsverpflichtungen hat. Scheuer warf Doll vor, ihn nicht rechtzeitig über die tatsächliche Lage unterrichtet zu haben. Die Verteidiger des Finanzvorstands meinten, er sei nur der Überbringer schlechter Nachrichten. Und überhaupt habe Doll erst den Skandal über teure Beraterverträge bei der Bahn aufgedeckt. Doch so ganz kann sich der Geschasste nicht hinter dem Argument verstecken, er sei erst seit Anfang des Jahres auf seinem Posten und habe vorher von nichts gewusst. Denn als Investmentbanker hat er die Übernahme von Arriva durch die Bahn 2010 mit eingefädelt.

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