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Immobilienhai frisst Immobilienhai

Büroriese Aroundtown will TLG schlucken / Fusion schafft Europas größten Gewerbeflächen-Anbieter

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Schriftzug der TLG Immobilien über einem Bürohaus am Berliner Alexanderplatz
Der Schriftzug der TLG Immobilien über einem Bürohaus am Berliner Alexanderplatz

Es könnte der europaweit größte Anbieter von Gewerbeimmobilien werden: Am Dienstag legte der Aroundtown-Konzern den Aktionären von TLG Immobilien ein Übernahmeangebot vor. Die TLG-Aktionäre sollen je Papier 3,6 Aroundtown-Aktien aus einer Kapitalerhöhung erhalten, wie beide Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilten. Das entspreche einem Angebotspreis von 27,66 Euro je TLG-Aktie. Der fusionierte Konzern wird Immobilien im Wert von über 25 Milliarden Euro in seinem Portfolio haben.

Dabei handelt es sich bei TLG Immobilien um ein einstiges Staatsunternehmen. 1991 wurde das Unternehmen als Tochter der Treuhandanstalt gegründet. 1995 übernahm die Bundesrepublik die Gesellschafteranteile des Unternehmens. Nachdem die Wohnimmobilien in eine TLG Wohnen abgetrennt wurden, verkaufte das Bundesfinanzministerium Ende 2012 TLG Immobilien und dessen rund 780 Gewerbeeinheiten für 1,1 Milliarden Euro an den US-Finanzinvestor Lone Star. Es war damals die größte Privatisierung des Bundes seit fünf Jahren. »Mit der Privatisierung schaffen wir Freiräume für Investitionen und stärken die regionalen ostdeutschen Wirtschaftsstandorte«, frohlockte der damalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Seit 2014 ist die TLG Immobilien eine Aktiengesellschaft.

Vor allem das weitere Schicksal der TLG Wohnen war im Zuge der Privatisierung ein Politikum. LINKE-Politiker initiierten damals eine Genossenschaft, die die rund 12 000 ehemaligen Treuhand-Wohnungen in Ostdeutschland kaufen wollte. Die Mieter sollten dadurch vor übermäßigen Mieterhöhungen geschützt werden, so die Idee. Doch Schäuble winkte ab und schmiss die Genossenschaft frühzeitig aus dem Bieterverfahren hinaus. Er verkaufte die Wohnungen stattdessen für 471 Millionen Euro an einen Hamburger Immobilienkonzern, der sich dann auch mit Hilfe eines sogenannten Share Deals die Grunderwerbsteuer sparen konnte.

Doch nicht nur die TLG, auch ihr Käufer ist kein Unbekannter. Fußballfans dürfte Aroundtown vor allem als neuer Hauptsponsor von Union Berlin bekannt sein. Doch in jüngster Zeit kam das in Luxemburg beheimatete Unternehmen auch wegen seiner undurchsichtigen Konzernstruktur in die Medien, die häufig nach Zypern führt. So berichtete das ARD-Magazin »Plusminus«, dass jede Immobilie in der Regel einer eigenen GmbH gehöre, die wiederum im Besitz einer Gesellschaft auf der Mittelmeerinsel sei.

Aroundtown besitzt auch 39 Prozent an dem Unternehmen Grand Properties, das zuletzt 76 000 Wohnungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen besaß und einen Großteil seiner Investitionen ebenfalls über Zypern regelt. »Die Struktur ist nach eigenen Angaben so aufgebaut, dass bei einem Verkauf der Immobilien keine Steuern auf die Wertsteigerungen anfallen und höchstwahrscheinlich auch die Grunderwerbsteuer vermieden werden kann«, heißt es zu Grand Properties in einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Im September ist TLG Immobilen mit dem Kauf eines Aktienpakets von knapp zehn Prozent bei dem laut Bilanzsumme dreimal größeren Aroundtown eingestiegen. Die Unternehmen nahmen daraufhin Fusionsgespräche auf. Die Geschäfte des neuen Konzerns sollen von Berlin aus geleitet werden, der Heimat von TLG. Formeller Konzernsitz soll der Aroundtown-Standort Luxemburg bleiben. Aroundtown hat vor allem in Berlin, München und Frankfurt am Main Gewerbeimmobilien - vor allem Büros und Hotels. TLG besitzt in Berlin ebenfalls viele Immobilen. Weitere wichtige Standorte sind etwa Dresden, Leipzig und Rostock.

Beide Unternehmen profitieren davon, dass die Preise für Gewerbeflächen hierzulande im Schnitt sogar noch etwas schneller steigen als die Wohnungspreise. So verteuerten sich Gewerbeimmobilen laut dem Verband deutscher Pfandbriefbanken in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum dritten Quartal 2018 um 5,9 Prozent. Für Büros musste man sogar 8,8 Prozent mehr berappen, während die Preise für Wohnimmobilien im gleichen Zeitraum um 5,8 Prozent stiegen.

Was den Markt im Gewerbesektor zusätzlich antreibt, ist, dass es dort keine Mietpreisbremsen gibt und das Mietrecht noch mehr auf der Seite der Vermieter ist als bei Wohnimmobilien. Bei TLG Immobilien spiegelt sich diese Entwicklung in steigenden Mieteinnahmen wieder. Diese stiegen in den ersten neun Monaten dieses Jahres um vier Prozent auf 173 Millionen Euro.

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