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Stadt und Land an einem Strang

Kurt Stenger über berechtigte und unberechtigte Bauernkritik

  • Von Kurt Stenger
  • Lesedauer: 2 Min.
Bauern aus ganz Deutschland sind nach Berlin gereist, um auf ihre politischen Forderungen aufmerksam zu machen.
Bauern aus ganz Deutschland sind nach Berlin gereist, um auf ihre politischen Forderungen aufmerksam zu machen.

Es kommt nicht oft vor, dass Großstädter unmittelbar mit Alltag und Problemen auf dem Land konfrontiert werden. Die Sternfahrt Hunderter Trecker ins Berliner Zentrum machte es möglich. Den Stau provozierte man gerne - angesichts der Ignoranz vieler politischer Debatten, die aus der Perspektive von Städtern geführt werden. Und so schwingt beim Bauernprotest der jahrhundertealte Interessengegensatz zwischen Stadt und Land mit.

Doch die Sache ist nicht so einfach, schließlich gibt es auch Kontroversen unter den Land- wie auch unter den Stadtbewohnern. Die Forderung beim Bauernprotest, die Regierung solle geplante Umweltauflagen wieder streichen, wird auch auf dem Land nicht uneingeschränkt geteilt. Man denke nur an die lokalen Proteste gegen Tierfabriken gerade wegen der massiven Gewässerbelastung.

»Probleme nicht weiter aussitzen«
Kirsten Tackmann über die aktuellen Bauernproteste und strukturelle Probleme in der Landwirtschaft

Zurecht weisen Landwirte auf ihre schwierige soziale Lage hin und fordern Wertschätzung bäuerlicher Arbeit sowie faire Preise. Auch braucht es, anders als bisher, eine breite Debatte gerade mit Kleinbauern ohne Lobbymacht. Falsch aber ist es, den Status quo erhalten zu wollen. Die Agrarpolitik setzt in engster Abstimmung mit dem Bauernverband auf Intensivierung und Exportorientierung - mit negativen Folgen für städtische Konsumenten wie für Kleinbauern. Es braucht nicht weniger, sondern weit mehr Auflagen für Umwelt- und Klimaschutz, der aber auch finanziell weit stärker belohnt werden muss. Da können Stadt und Land an einem Strang ziehen.

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