Ein Positiv-Leben

Eine HIV-Infektion ist heute behandelbar - eine »normale« Krankheit ist sie deshalb noch nicht

  • Von Angela Stoll
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.
Betroffene fordern Respekt und Solidarität – Hilfe, Liebe, Unterstützung und Pflege sollten möglich sein.

»Positiv.« Wie harmlos und heiter kommt dieses kleine Wort daher. Es steckt in vielen freundlichen Ermunterungen: Denk positiv! Sieh es doch positiv! Positiv bleiben! Aber manchmal hat das Wort eine ganz andere, monströse Bedeutung. Dann klingen die drei kurzen Silben auf einmal bedrohlich und können einen Menschen in Sekundenschnelle erledigen.

Wie sich das anfühlt, erlebte Brigitte Weber (Name von der Redaktion geändert) im Jahr 1985. Sie war 22, heroinabhängig und in einer Fachklinik in der Nähe Münchens auf Entzug, als sie zusammen mit den anderen Patienten zu einer besonderen Untersuchung gerufen wurde: einem HIV-Test, der kurz zuvor in Deutschland zugelassen worden war. »Uns wurde zu zehnt Blut abgenommen«, erzählt die heute 56-Jährige. Zu dem Zeitpunkt hatte die Aids-Krise der Bundesrepublik bereits begonnen. Man wusste noch relativ wenig über die tödliche Krankheit, die ab den 80er Jahren auch in Deutschland beobachtet wur...

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