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Erster Flugtag 31. Oktober 2020

BER-Chef und Aufsichtsrat einigen sich auf Eröffnungstag - siebeneinhalb Jahre verspätet

  • Von Tomas Morgenstern und Martin Kröger
  • Lesedauer: 4 Min.
BER-Flughafen: Erster Flugtag 31. Oktober 2020

Der neue Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld soll am 31. Oktober 2020 eröffnen. Darüber hat am Freitag der Chef der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB), Engelbert Lütke Daldrup, den Aufsichtsrat des BER informiert. Anschließend beschloss das Aufsichtsgremium den Termin. Die Flughafengesellschaft informierte daraufhin in einer Pressemitteilung die Öffentlichkeit über die Planungen. Gesellschafter der Flughafengesellschaft sind die Bundesländer Berlin, Brandenburg sowie der Bund.

In einer Pressekonferenz am späten Freitagnachmittag informierte der Aufsichtsratsvorsitzende des BER, Rainer Bretschneider, über die Entscheidung. »Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das, was die Geschäftsführung präsentiert hat, belastbar und realisierbar ist«, sagte Bretschneider. Zuvor habe es eine intensive Diskussion mit der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft gegeben. »Auch der TÜV hat den Eindruck erweckt, dass die Gesellschaft auf einem guten Weg ist«, so Bretschneider – trotz aller Kritik.

Der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup sagte: »Wir haben heute einen weiteren, wichtigen Schritt Richtung in Inbetriebnahme des BER vollziehen können.« Lütke Daldrup kündigte an, dass der Umzug vom Flughafen Tegel zum BER in drei Schritten erfolgen solle. Beginnend mit dem 31. Oktober 2020. Abgeschlossen soll der Umzug der Fluglinien am 8. November sein. Die Dreiteilung begründete Lütke Daldrup mit dem größeren Umzugsaufwand im Vergleich zu 2012, als der Umzug noch in einer einzigen Nacht vollzogen werden sollte.
Ob es am 31. Oktober 2020 schon erste Starts von Flugzeugen vom BER gibt, müsse man abwarten, so Engelbert Lütke Daldrup. An diesem Tag wird in Brandenburg Reformationstag gefeiert, der Tag ist Feiertag.

Der nun wohl endgültige Eröffnungstermin hatte sich spätestens, nachdem Engelbert Lütke Daldrup im März 2017 den Vorsitz der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg übernommen hatte, zum Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Interesses entwickelt. Das Material mit dem konkreten Datum hatte er den Teilnehmern der Aufsichtsratssitzung erst am Freitag als Tischvorlage präsentiert, damit es nicht vorfristig an die Öffentlichkeit gelangt.

Im Dezember 2017, als Lütke Daldrups Vorgänger Carsten Mühlenfeld den Hauptstadtflughafen längst am Laufen haben wollte, hatten sich die FBB und ihr Aufsichtsrat zunächst auf einen »belastbaren Eröffnungszeitraum« verständigt: Oktober 2020. Ein üppiger Zeitzuschlag, der seinerzeit Unverständnis und Kritik ausgelöst hatte.

Der BER-Chef hatte die verbleibende Zeit klar strukturiert, doch immer wieder schien ihm die Vielzahl der erkannten Mängel auf der Baustelle einen Strich durch die Rechnung zu machen. Noch Ende 2018 sorgten Brandmelde- und Sprinkleranlage, Notstromversorgung, Kabeltrassen - für Schlagzeilen. Bis zuletzt hatten immer wieder neu auftauchende Technikprobleme vor allem bei der Fertigstellung des Hauptterminals Spekulationen über eine etwaige neuerliche Terminverschiebung gegeben. Und noch immer sind nicht alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt. Dennoch hatte der Flughafenchef Anfang bereits Anfang November im nd-Interview Optimismus verbreitet. »Wir sind Ende 2019 so weit, wie wir uns das Ende 2017 vorgestellt hatten«, hatte er da erklärt. Da konnte er bereits auf den weitgehenden Abschluss der sogenannten Wirkprinzipprüfung des erfolgreichen Zusammenspiels aller technischen Anlagen verweisen, einen »wesentlichen Meilenstein« auf dem Weg zur Inbetriebnahme. Doch noch sei der BER Baustelle. »So müssen wir noch handwerkliche Mängel im Bereich der Kabelgewerke abarbeiten. Auch der TÜV wird in dem Bereich noch umfangreiche Prüfungen vornehmen müssen«, so Lütke Daldrup im »nd«.

Abhängig von der Zählweise ist die Inbetriebnahme seit dem ersten Spatenstich auf dem neuen Flughafengelände beachtliche sieben mal verschoben worden. Am spektakulärsten war die für den 3. Juni 2012 geplante Eröffnungsfeier geplatzt - ganze vier Woche zuvor war der Termin gecancelt worden. Damals hatte das zuständige Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald den Verantwortlichen die Baugenehmigung verweigert. Offiziell war zunächst »lediglich« von technischen Problemen mit der Brandschutzanlage die Rede. Eine Legende. Neben Technikproblemen und Baumurks spielte damals Managementversagen eine wesentliche Rolle. Geschlagene sieben Jahre waren nötig, um allein das Thema Brandschutz in den Griff zu bekommen.

Ab sofort erhöht der konkrete Eröffnungstermin den öffentlichen Druck auf alle am und für den BER Tätigen. Es sollte nichts mehr schief laufen, denn der verbleibende Zeitrahmen ist eng, und es geht nun auch wieder einmal darum, verloren gegangenes Renommee zurückzugewinnen. Da gilt es zunächst, noch verbliebene Mängel in den vielfältigen Kabelgewerken zu beheben. Nachprüfungen stehen noch im Brandschutzbereich an, etwa bei den sogenannten Rauchschürzen an der Schnittstelle zwischen dem unterirdischen Flughafenbahnhof und dem Flughafenterminal. Parallel geht offenbar mit neuer Dynamik auch die Arbeit am Erweiterungsterminal T2 voran. Inzwischen geht der Flughafenchef wieder davon aus, dass dieser Zweckbau nun doch ebenfalls im Oktober 2020 fertig sein kann. Ab November 2019 richten auch die Terminal-Mieter schrittweise ihre Boutiquen, Läden und Bistros ein.

Im Frühjahr 2020 soll der finale Schritt bei Baufertigstellungsanzeige beim Landkreis erfolgen, bevor dann im Frühjahr nach internationalen Standards ablaufende Inbetriebnahmeverfahren ORAT gestartet wird. Dabei werden alle Betriebsabläufe am Flughafen getestet - ab Sommer schließlich mit rund 20 000 Komparsen. Zu diesem Zeitpunkt sollte sich der BER aber bereits vollends von einer Baustelle in einen international vorzeigbaren Hauptstadtflughafen verwandelt haben.

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