Neue Machtwirtschaft

Vor 20 Jahren entstand eine internationale Bewegung gegen die neoliberale Globalisierung. Heute ist der Weltmarkt ein anderer.

  • Von Stephan Kaufmann
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Die Polizei von Seattle war schlecht vorbereitet. Als am 30. November 1999 die Delegierten zur Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) anreisten, stellten sich ihnen Tausende von Demonstranten entgegen. Ein internationales Bündnis von Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und meist linken Gruppierungen brachte 40 000 Menschen auf die Straßen und erzwang die Verlegung der Konferenz. Mit der vom US-Magazin Newsweek »Battle in Seattle« getauften »Schlacht« betrat eine Bewegung das Licht der Öffentlichkeit, die in den Folgejahren als »Globalisierungskritiker« bekannt wurde. Heute, 20 Jahre später, ist die WTO in ihrem Bestand bedroht, die Globalisierung ist auf dem Rückzug. Doch ist dies nicht das Verdienst der Bewegung. Denn die ist verschwunden. Wirksame Kritik des Weltmarkts leistet heute nicht mehr die Bewegung, sondern die Elite - allerdings in ihrem Sinne.

Die globalisierungskritische Bewegung war ein Kind de...

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