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Internationale Gewerkschafter gegen Coca-Cola

In Paris besprachen Beschäftigtenvertreter, was man gegen niedrigere Löhne und Trinkwasserverschmutzung durch den Konzern tun kann

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

Gewerkschafter der Beschäftigten des Coca-Cola-Konzerns aus aller Welt haben in der vergangenen Woche in Paris ihre Erfahrungen über die Praktiken des Konzerns und über ihre Kämpfe ausgetauscht. Auf der mehrtägigen Konferenz vereinbarten sie, ihre künftigen Vorgehen zu koordinieren.

Der gemeinsamen Einladung desNahrungsmittel- und Forstbundes der französischen Gewerkschaft CGT, der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten im DGB und der Rosa-Luxemburg-Stiftung waren nahezu 100 Gewerkschafter aus 24 Ländern gefolgt. Bemerkenswert neu war, dass es sich dabei um Gewerkschaften aus Europa, Lateinamerika, Afrika und Asien handelt, die unterschiedlichen Weltgewerkschaftsbünden angehören. Für ihre gemeinsame Abwehr der Machenschaften des multinationalen Coca-Cola-Konzerns aber konnten sie die Spaltung der internationalen Gewerkschaftsbewegung überwinden. Ihr gemeinsames Anliegen war, die unsoziale und umweltschädliche Politik des Konzerns anzuprangern und den Kampf dagegen zu organisieren.

In der Diskussion wurde anhand zahlreicher Beispiele und persönlicher Erfahrungen über die sozialen Kämpfe in den verschiedenen Ländern berichtet: für höhere Löhne, Beschäftigungssicherheit und bessere Arbeitsbedingungen. Oft sind die Kämpfe ähnlich, manchmal aber auch landesspezifisch. Dabei schilderten die Gewerkschafter beispielsweise, wie der Konzern versucht, mit dem Ziel der Kostensenkung und der Gewinnmaximierung die Zahl der Standorte und Arbeitsplätze zu senken. Und das bei stabiler oder steigender Produktivität.

Technischer Fortschritt, Automatisierung und Digitalisierung und die damit verbundene Erleichterung der Arbeit dienen oft als Vorwand, die Löhne zu senken. Immer mehr werden auch ganze Bereiche wie Logistik oder technische Wartung externalisiert in Subunternehmen. Und das mit schlechteren Löhnen und Arbeitsbedingungen als jene, die sich die Beschäftigten und ihre Gewerkschaften bei Coca-Cola selbst erkämpft haben und verteidigen.

Anhand von Zahlen wurde nachgewiesen, dass der Coca-Cola-Konzern bei einem seit Jahren rückläufigen Gesamtumsatz von 48 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 auf 31,9 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr seine Dividende stetig gesteigert hat. Und zwar von 2,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 auf 6,6 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr.

Die Konferenzteilnehmer diskutierten ausgiebig über die vielfältigen Kämpfe für die Achtung der Würde der Arbeitnehmer sowie der Menschenrechte. Und vor allem für die Verteidigung der Gewerkschaftsrechte, welche von Coca-Cola in vielen Ländern mit Billigung durch die jeweiligen Behörden mit Füßen getreten werden.

Dabei könnte, wenn es den Kampf der Coca-Cola-Beschäftigen vor Ort unterstützt, zu den Kampfformen auch eine Demaskierung des Konzerns in der Öffentlichkeit und in einzelnen Fällen deren Mobilisierung bis hin zum Boykott gehören. Der Schaden für das Markenimage sowie der Rückgang des Absatzes und damit des Gewinns dürften die Konzernleitung zumindest verunsichern.

Völlig einig waren sich die Gewerkschafter aus den verschiedenen Ländern über die Notwendigkeit, sich im Interesse der Zukunft der Menschheit für den Umweltschutz und die Erhaltung der natürlichen Ressourcen zu engagieren. Vor allem gilt es, die Verschwendung von Wasser oder dessen ungestrafte Verschmutzung durch Coca-Cola zu bekämpfen und so der örtlichen Bevölkerung den Zugang zu Trinkwasser zu sichern.

In einer Abschlusserklärung bekunden die Teilnehmer der Konferenz ihre »Solidarität und Unterstützung für alle Arbeitnehmer, die mit ihren Gewerkschaften bei Coca-Cola für die Erfüllung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Forderungen kämpfen«. Sie verurteilen Repressionen gegen Gewerkschafter und äußern die Überzeugung, dass das Treffen »den Aufbau einer gemeinsamen Front der Arbeitnehmer, aller Gewerkschaften und der Bevölkerungen auf allen Kontinenten und in allen Ländern der Welt gegen Coca-Cola und seine rückständigen Einstellungen auf wirtschaftlicher, sozialer, politischer, kultureller und ökologischer Ebene« stärke. Für die Zeit bis zur nächsten internationalen Konferenz wurde ein Solidaritäts-, Kampf- und Koordinierungsausschuss namens »Coca-Cola en luttes« (Coca-Cola im Kampf) eingerichtet.

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