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Infinitesimal

Botho Strauß wird 75

  • Lesedauer: 1 Min.

Ganz große Sache im hiesigen Literaturstadl! Der nationale deutsche Dichterpriester Botho Strauß (»Der letzte Deutsche«), bekannt für seine vaterländische, sich heideggerianisch aufblähende Prosa, wird 75 Jahre alt. Das ist zwar noch nicht ganz das Walser-Alter (z.Zt. 92), aber der Mann ist auf gutem Wege! Im Feuilleton der Springer-Postille »Welt« ist man nicht nur deswegen schon ganz aus dem Häuschen, sondern auch weil der heilige Botho pünktlich zu seinem Wiegenfest zwei neue Riemen rausgehauen hat: Der eine ist ein »Theaterstück«, der andere eine »Sammlung von Aphorismen, Denkbildern und Narrationskeimlingen« (»Welt«). Narrationskeimlinge! Oha! Weiter heißt es: Beide, Strauß und sein ähnlich in sich selbst verliebter österreichischer Zeitgenosse Peter Handke, »glänzten in ihren handlungsarmen, reflexionsreichen Erzählungen mit einer infinitesimalen Wahrnehmungsprosa«. Sicher, so kann man es auch sagen, wenn man etwas Sterbensödes zur verkopften Großkunst umlügen will.

Wobei: Während Handke den »Goetheschen Willen spürt, die eigene Pyramide in den Himmel zu spitzen«, ist ist bei Strauß »im Grunde alles Tändelei, Getröpfel, Blütenstaub geblieben«. Herzlichen Glückwunsch! tbl

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