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Studierende fordern Unterstützung Rojavas

Eine universitätsübergreifende Deklaration richtet sich an die Berliner Hochschulleitungen

  • Von Lola Zeller
  • Lesedauer: 2 Min.
Berliner Studierende fordern in einem Aufruf zu einem akademischen Boykott regimetreuer türkischer Universitäten.
Berliner Studierende fordern in einem Aufruf zu einem akademischen Boykott regimetreuer türkischer Universitäten.

Etwa zwanzig Studierende sammeln sich vor dem Mövenpick Hotel, verteilen Ausdrucke ihrer Deklaration und bereiten die mitgebrachten Transparente vor. Im Hotel treffen sich Mitglieder der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), einem bundesweiten Zusammenschluss von Universitätsleitungen, für einen zweitägigen Workshop »Strategien für Internationalisierung, Mobilität und Durchlässigkeit«.

»Wir dachten uns, das ist der perfekte Zeitpunkt, um unsere Deklaration den Leuten zu übergeben, die diese Dinge verabschieden und den akademischen Boykott durchsetzen können«, sagt Hanna Mars, Studierende an der Alice Salomon Hochschule. Ihr Name ist ein Pseudonym, ihren bürgerlichen Namen möchte sie gegenüber dem nd nicht nennen. Beschlossen wurde die Deklaration durch eine berlinweite, universitätsübergreifende studentische Vollversammlung, welche an der Humboldt Universität am Montag Abend stattgefunden hatte. Mehr als hundert Studierende waren dem Aufruf gefolgt, sagt Mars.

Hauptthema der Forderungen ist der Aufruf zu einem akademischen Boykott regimetreuer türkischer Universitäten, zum Beispiel durch die Aufkündigung von Partnerschaften mit diesen Universitäten. »Als regimetreue Universitäten verstehen wir solche Universitäten, die unter anderem kritische Studierende und Wissenschaftler*innen politisch verfolgen, oder mit der Waffenindustrie kollaborieren«, so heißt es in der Deklaration. Darüber hinaus werden die Hochschulleitungen unter anderem aufgefordert, »den völkerrechtswidrigen Angriff der Türkei auf die Demokratische Konföderation Nord-Ostsyrien – Rojava öffentlich zu verurteilen« und Universitäten in Rojava anzuerkennen und Kooperationen mit diesen aufzubauen.

Als die Aktivist*innen in den Veranstaltungsraum der HRK gehen, um die Forderungen zu verlesen, werden sie zunächst nicht aufgehalten. Die anwesenden Vertreter*innen der Universitätsleitungen hören zu und äußern sich nicht. Die Studierenden rufen noch einige Parolen wie »Hoch die internationale Solidarität« und »Jin, Jiyan, Azadi« (kurdisch für »Frauen, Leben, Freiheit«), dann werden sie der Security aus Saal geführt. Raum zum Dialog oder für Reaktionen der Veranstaltungsteilnehmenden gibt es dementsprechend nicht.

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»Ich fand die Aktion sehr erfolgreich«, sagt Aktivist Emilio Rosa. Die Deklaration sei in mehrfacher Ausführung unter den Vertreter*innen der HRK auf den Tischen verteilt worden. »So können die Entscheidungstragenden sich das in Ruhe durchlesen«, sagt Rosa. »Wir erwarten entsprechende Reaktionen von den Universitätsleitungen.«

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