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Auf Schlammwegen

  • Von Philip Malzahn, al-Houl
  • Lesedauer: 2 Min.

Mit zwei Mitarbeiterinnen des kurdischen Geheimdienstes durchkämmen wir das Lager al-Houl. Wir sind auf der Suche nach einer Indonesierin, die mit einem deutschen Kämpfer verheiratet ist und mit ihren drei gemeinsamen Kinder im Camp lebt. Den Kämpfer haben wir in einem bewachten Gefängnis getroffen. Doch unserer Mission stehen drei gewaltige Hürden im Weg. Erstens sind über 70.000 mutmaßliche IS-Mitglieder und ihre Familienangehörigen in diesem Lager gefangen. Zweitens: Auf den ersten Blick möchte niemand, also wirklich niemand, Journalisten irgendeine Auskunft geben. Drittens: Sämtliche Frauen hier sind voll verschleiert.

Wir kämpfen uns also wacker durch die schlammigen Pfade zwischen den vergilbten Zeltplanen und kassieren Absagen: »Ich weiß nichts«, »Ich will nicht reden«, »Hier gibt es keine Indonesier«. Am Tag zuvor hat es geschüttet - der Schlamm ist überall. Im Lager gibt es kaum Wachen; die Gefangenen sind alleine unter sich. Unsere Begleiterin nennt es einen Kochtopf für Radikalisierung. Dass der ramponierte Maschendrahtzaun die Welt davor schützen soll, dass die über 70 000 gefangenen IS-Mitglieder und ihre Familienangehörigen nach draußen gelangen, ist kaum zu glauben. Tatsächlich gibt es regelmäßig Ausbrüche. Die Insassen haben eine eigene Infrastruktur aufgebaut: Sie handeln mit Hilfsgütern, die eigentlich verteilt werden sollen.

Etwa 10.000 der Lagerinsassen sind Ausländer. Sie kommen von überall her: USA, Marokko, Dagestand oder der Bundesrepublik. Für die Selbstverwaltung Nordostsyriens, für die Bevölkerung des Landes, und auch für die Welt sind diese Menschen vor allem eine Gefahr. Bislang tun sich die Herkunftsländer schwer damit, ihre Bürger zurückzunehmen. Solange man sich vor dieser Verantwortung scheut, lebt der IS nicht nur weiter, er wächst. Und das direkt vor den Augen der Welt.

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