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Ein Rabbiner, ein Imam und viele Schüler

Neue Maßnahmen gegen Antisemitismus / Projekt »meet2respect« für Respekt und Toleranz im Unterricht

  • Von Andreas Heimann
  • Lesedauer: 3 Min.

Ender Cetin und Elias Dray haben sich demonstrativ nebeneinander zu den 20 Schülerinnen und Schülern in den Stuhlkreis gesetzt. Der Imam und der Rabbiner sind am Montagvormittag zu Besuch in der Gemeinschaftsschule Friedenau. Beide tragen dunkle Hose und schwarzes Sakko, beide haben einen dunklen Bart. »Wer von uns ist der Imam und wer der Rabbiner?«, fragt Cetin in die Klasse. Die Antwort fällt den Jugendlichen leicht. Sie erkennen Rabbiner Elias Dray an seiner Kippa. Und dabei sind sie schon mitten im Thema.

Yussuf, Emily, Julia, Ava, Emre und ihre Mitschüler, fast alle zwischen 12 und 14 Jahre alt, reden mit den beiden Gästen über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, über Vorurteile, Antisemitismus und Respekt. Cetin und Dray machen mit beim Projekt »meet2respect« des Vereins Leadership Berlin - Netzwerk Verantwortung. Dabei geht jeweils ein Tandem aus Imam und Rabbiner in den Unterricht, rund 160 Mal in diesem Jahr. Nach dem Wunsch der Bildungsverwaltung soll die Zahl noch steigen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat angekündigt, die Maßnahmen gegen Antisemitismus an Schulen auszuweiten, »meet2respect« ist dabei ein wichtiger Baustein.

Um das Konzept vorzustellen, hatte die Senatorin nicht zufällig die Gemeinschaftsschule Friedenau ausgewählt. Sie geriet 2017 in die Schlagzeilen, als dort ein 14-jähriger Junge als Jude gemobbt und angegriffen wurde. Seine Eltern warfen der Schulleitung vor, zu spät auf die Beleidigungen und Angriffe durch türkische und arabische Schüler reagiert zu haben. Man müsse in Deutschland immer wieder antisemitische Vorfälle erleben, sagt Scheeres. Auch was an Hetze im Internet Netzwerken zu lesen sei, finde sie erschreckend. Cetin kann das bestätigen: »Wir kriegen mit, dass es an vielen Schulen antisemitische Vorurteile gibt.« Die Erfahrungen im Rahmen des Projekts seien aber positiv. Erst sei es ein Kulturschock: »Ein Imam mit einem Rabbiner, das hört sich wie ein Witz an.« Aber dann öffneten sich die Schüler. »Wir ergänzen uns ganz oft und spielen uns den Ball zu.«

In der Gemeinschaftsschule Friedenau ist das nicht schwer. Ender Cetin und Elias Dray reden mit den Jugendlichen auch über Vorurteile, die diese selbst erlebten. »Ich wurde gemobbt, weil ich Ausländerin bin«, erzählt eine Teenagerin. »Kann man als Muslim mit einem Juden oder Christen befreundet sein?«, will Cetin wissen. »Religion ist nicht immer alles«, sagt ein Jugendlicher. Kann man als Muslim in die Kirche gehen? »Nein«, vermutet einer. »Klar, darf man da rein«, sagt ein anderer. Er selbst habe schon in einer Kirche und einer Synagoge gebetet, ergänzt Cetin. Manchmal fallen die Antworten nachdenklich aus, aggressiv wird die Stimmung nie, peinliche Pausen gibt es keine.

»In vielen Klassen, in die wir gehen, haben die Schüler noch nie einen Juden kennengelernt«, sagt Rabbiner Dray. Das sei für ihn eine Motivation gewesen, sich bei dem Projekt zu engagieren. »Wenn man persönlich jemanden trifft, kann man Vorurteile abbauen.« Dray sieht die Entwicklung positiv: »In Berlin wird wirklich was getan. Wir würden uns freuen, wenn andere Länder das Projekt übernehmen würden.«

»Das Problem Antisemitismus ist in fast allen Schulen vorhanden«, betont Aycan Demirel von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA). Das Konzept finde er deshalb gut. Die Zusammenarbeit von Imamen und Rabbinern sei eine starke symbolische Botschaft. Einzelne Unterrichtsbesuche reichten aber nicht, wenn man langfristig etwas verändern wolle. »Gegen Diskriminierung ist permanentes Engagement nötig. Dafür braucht man einen langen Atem.« dpa

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