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Ein »brutaler, blutrünstiger Mensch«

Putin äußert sich zum Mord in Berlin

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Ausweisung russischer Diplomaten aus Deutschland wird nicht zu einer Krise in den bilateralen Beziehungen führen, sagte der russische Präsident Wladimir Putin auf einer Pressekonferenz nach dem Normandie-Gipfel am Montag in Paris. Dennoch halte er die Entscheidung für falsch, da Russland nichts mit der Ermordung eines georgischen Staatsbürgers in Berlin zu tun habe. Gefragt nach Gegenmaßnahmen sagt er: »Es gibt ungeschriebene Praktiken, ungeschriebene Regeln in solchen Fällen. Ihr habt unsere Diplomaten vertrieben, und wir werden eure ausweisen.« Daran sei nichts Gutes, zugleich jedoch versprach Putin, dass die russische Seite alles tun werde, um Deutschland bei der Aufklärung des Falles zu unterstützen.

Der Fall ist nach wie vor dubios. Am 23. August war in Berlin Zelimkhan Khangoshvili, ein 40-jähriger Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit, erschossen worden. Der Täter - angeblich ein 49-jähriger Bürger Russlands - wurde noch am Tatort gefasst und hüllt sich seitdem in Schweigen. Wegen des Verdachts, dass staatliche Stellen in Russland oder der Teilrepublik Tschetschenien den Mord in Auftrag gegeben haben, übernahm jüngst die Bundesanwaltschaft den Fall. Dort nennt man das Opfer »Tornike K.«. Der Mord, der fast vier Monate nur auf »kleiner Flamme gekocht wurde«, bekam mit der Diplomaten-Ausweisung plötzlich politische Weiterungen. Kanzlerin Angela Merkel beschuldigte Russland, nicht bei der Aufklärung des Mordes zu helfen. Dafür interessierten sich US-Dienststellen und Medien umso mehr für die Tat.

Putin informierte am Montag in Paris über Fakten, die deutsche Behörden bislang verschwiegen. Khangoshvili war, so der Präsident, »ein sehr brutaler und blutrünstiger Mensch«, der in Russland zur Fahndung ausgeschrieben war. Allein bei einem der Terrorangriffe, den der Getötete mitorganisiert habe, seien 98 Menschen ums Leben gekommen. In Rede steht die Organisierung von Anschlägen in der Moskauer Metro. Es hat mehrere Anschläge und Anschlagsversuche von Tschetschenen in der Moskauer U-Bahn gegeben. 2010 beispielsweise sprengten sich Frauen in die Luft. 37 Tote waren zu beklagen. Putin, damals Regierungschef, drohte den mutmaßlichen Hintermännern mit dem Tod. Die »Terroristen« würden »gefangen und vernichtet«, sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte dem damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew ihr tiefes Bedauern. Sie hoffe, dass die Anschläge schnell aufgeklärt werden können. US-Präsident Barack Obama bekundete wie die EU die Solidarität mit dem russischen Volk.

Doch das war es dann auch. Moskau habe, so Putin am Montag in Paris, Berlin um die Auslieferung des mutmaßlichen Mittäters gebeten. Wie in fast allen Fällen, in denen es um Tschetschenen geht, stellt sich Berlin taub. Was weiter geschah? Putin sagt: »Ich weiß nicht, was mit ihm geschehen ist. Das ist Banditenmilieu, in dem kann alles Mögliche passieren.«

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